Es ist erstaunlich: Wir nah an der Verzweiflung parkenden Singles versuchen jede Chance auf möglicherweise angenehme Zweisamkeit zu ergreifen, lassen schreckliche Dates oder wenigstens Versuche solcher über uns ergehen, tun dies trotz des immerselben Resultats des enttäuschten Abschiedsseufzers am Ende der Veranstaltung – und dann gibt es tatsächlich noch Menschen, die trotz ihrer optischen und charakteristischen Unansehnlichkeit wählerisch sind und nur ja und nein kennen. Im Laufe meiner Solokarriere habe ich festgestellt, dass Kompromisse und Abstriche in Sachen erwünschter Attribute nötig sind, um nicht in totale emotionale Lethargie zu verfallen. Das heißt nicht, dass Interaktion, egal in welcher Form, nur noch mit zweitklassigen Menschen mit, nunja, zweitklassigen „Qualitäten“ nötig ist. Der ästhetische Radar ist nie und nimmer ausgeschaltet, doch man lässt sich auf die ein oder andere Verabredung ein, mit dem Wissen wie es wahrscheinlich ausgehen wird, nur in der Hoffnung dass er vielleicht auf den Bildern/ gestern Abend schlechter aussieht als eigentlich und es sich doch etwas entwickeln könnte, dass ein paar bunt-explodierende Endorphine in die allabendliche, allzeitgraue Alleinseinsschweigeorgie bringt.
Und nach all den Strapazen der vergangenen Wochen steht mir dann dieser durchaus freundliche aber durchaus unschöne Mensch gegenüber, und verabschiedet sich mit den Worten „Wenn es bei dir nicht gefunkt hat wars das an der Stelle, ich will keine Freundschaft mit dir“. Ist es noch zu fassen? Da biegt und dreht man sich und gibt jedem dahergelaufenen No-Go eine Chance auf Vielleicht-Go oder doch sogar Go!-Go! und will sich durch diesen Optimismus ein bisschen Würde bewahren. Da spaziert das nächstbeste Never-Go vorbei und ist nicht im Geringsten über seine Dreistheit beschämt, sich mitten auf dem evolutionsbiologischen Abstieg eine Flagge aus der erfahrungsleeren Tasche zu ziehen und damit herum zu schwenken als gäbe es kein tränenreiches Morgen (und das gibt es in seinem Fall definitiv!!!!) ?! Da fragt man sich doch wirklich, ob man sich unterm Wert verkauft oder ob man den eigenen Wert auf dem knallharten Markt zwischenmenschlicher Beziehungen nicht um einiges steigern könnte, ließe man die Selbstwahrnehmung nur nicht allzu nah an die Selbstausstrahlung. Oder sind wir gar nicht das nach Zuneigung von seitens schöner Menschen jappsende, einsame Völkchen sondern ein Haufen attraktiver, in Freiheit liebender Alleinstehender, denen die ganze Welt offen steht und für die „abendlicher Kontakt“ zum Weggehen gehören wie Zigaretten und tanzen?
Wenn das Never-Go-Männlein sich erlauben darf, Freundschaften mit definitiv hübschen Never-Be-Weiblein zu verschmähen, dürfen wir dann nicht genauso wählerisch sein? Scheiße ja! Und es ist doch auch immer einfach, arrogant über die zu lachen, die uns eine Korb geben oder den gegebenen Korb für überflüssig halten. Um am Schluß Phantasiens Grünländer No. 1 und den Kleinstadtpisser zu zitieren: „Hab Selbstvertrauen, Single, hab Selbstvertrauen!“