Donnerstag, 24. Februar 2011

Pein oder nicht Ich sein, das ist hier die Frage!

Es ist erstaunlich: Wir nah an der Verzweiflung parkenden Singles versuchen jede Chance auf möglicherweise angenehme Zweisamkeit zu ergreifen, lassen schreckliche Dates oder wenigstens Versuche solcher über uns ergehen, tun dies trotz des immerselben Resultats des enttäuschten Abschiedsseufzers am Ende der Veranstaltung – und dann gibt es tatsächlich noch Menschen, die trotz ihrer optischen und charakteristischen Unansehnlichkeit wählerisch sind und nur ja und nein kennen. Im Laufe meiner Solokarriere habe ich festgestellt, dass Kompromisse und Abstriche in Sachen erwünschter Attribute nötig sind, um nicht in totale emotionale Lethargie zu verfallen. Das heißt nicht, dass Interaktion, egal in welcher Form, nur noch mit zweitklassigen Menschen mit, nunja, zweitklassigen „Qualitäten“ nötig ist. Der ästhetische Radar ist nie und nimmer ausgeschaltet, doch man lässt sich auf die ein oder andere Verabredung ein, mit dem Wissen wie es wahrscheinlich ausgehen wird, nur in der Hoffnung dass er vielleicht auf den Bildern/ gestern Abend schlechter aussieht als eigentlich und es sich doch etwas entwickeln könnte, dass ein paar bunt-explodierende Endorphine in die allabendliche, allzeitgraue Alleinseinsschweigeorgie bringt.
Und nach all den Strapazen der vergangenen Wochen steht mir dann dieser durchaus freundliche aber durchaus unschöne Mensch gegenüber, und verabschiedet sich mit den Worten „Wenn es bei dir nicht gefunkt hat wars das an der Stelle, ich will keine Freundschaft mit dir“. Ist es noch zu fassen? Da biegt und dreht man sich und gibt jedem dahergelaufenen No-Go eine Chance auf Vielleicht-Go oder doch sogar Go!-Go! und will sich durch diesen Optimismus ein bisschen Würde bewahren. Da spaziert das nächstbeste Never-Go vorbei und ist nicht im Geringsten über seine Dreistheit beschämt, sich mitten auf dem evolutionsbiologischen Abstieg eine Flagge aus der erfahrungsleeren Tasche zu ziehen und damit herum zu schwenken als gäbe es kein tränenreiches Morgen (und das gibt es in seinem Fall definitiv!!!!) ?! Da fragt man sich doch wirklich, ob man sich unterm Wert verkauft oder ob man den eigenen Wert auf dem knallharten Markt zwischenmenschlicher Beziehungen nicht um einiges steigern könnte, ließe man die Selbstwahrnehmung nur nicht allzu nah an die Selbstausstrahlung. Oder sind wir gar nicht das nach Zuneigung von seitens schöner Menschen jappsende, einsame Völkchen sondern ein Haufen attraktiver, in Freiheit liebender Alleinstehender, denen die ganze Welt offen steht und für die „abendlicher Kontakt“ zum Weggehen gehören wie Zigaretten und tanzen?
Wenn das Never-Go-Männlein sich erlauben darf, Freundschaften mit definitiv hübschen Never-Be-Weiblein zu verschmähen, dürfen wir dann nicht genauso wählerisch sein? Scheiße ja! Und es ist doch auch immer einfach, arrogant über die zu lachen, die uns eine Korb geben oder den gegebenen Korb für überflüssig halten. Um am Schluß Phantasiens Grünländer No. 1 und den Kleinstadtpisser zu zitieren: „Hab Selbstvertrauen, Single, hab Selbstvertrauen!“

Dienstag, 22. Februar 2011

Blogkade

Im Physikunterricht haben wir gelernt, dass, stülpt man ein Glas über eine Flamme, sie erlischt. Toll, ich bin die Flamme und der Sauerstoff liegt unter meinen Händen. Wäre da nicht die abgefuckt-erdrückende Realität die sich täglich über mich stellt um mir die Luft zu nehmen und mit dem Finger auf mich zeigend zu sagen: Sei doch mal glücklich. Lass das Geschreibe, hör auf zu denken, verdammt nochmal Stevie genieß doch mal alles. Ok neben der Realität fliegen da noch Augen Ohren und Stimmen meiner Mutter/ besten Freundin/ inneren Stimme der Selbstterapie mit. Meine Fresse, und das höre ich noch von so vielen anderen Leuten, denen es auch nicht besser geht. Sie verpacken ihr Gejammer eben nicht ausschließlich in charmant-wortgewandten Texten (Eigenlob stinkt aber schmeckt ) sondern lassen es nur halb so verzweifelt dastehen indem sie einfach die Umstände kritisieren, womit sie vermitteln, selbst keinen Einfluss auf die Wendepunkte ihrer Laufbahn zu haben. Obwohl sie sich die Hürden selbst in den Weg stellen, meckern sie dann darüber, dass sie darüber springen mussten. Im nächsten Moment schimpfe ich über den simplen Fakt, überhaupt immer rennen zu müssen, ohne mich 1. für den Marathon angemeldet zu haben und 2. ohne eine Pause einlegen zu können und darf mir dann von den Hürdenhassern Dinge anhören wie: "Wenn du nicht nölen darfst bist du nicht glücklich oder?" gepaart mit Möchtegernmotivatoren wie "Sei doch mal froh überhaupt laufen zu können."
Ja, verdammte Scheiße, ich bin nun mal ab und zu etwas unzufrieden und verleihe dem Ausdruck, indem ich auf die simple Frage  pseudointeressierter Menschen "Wie gehts" mit " Schlecht" antworte. Wer Wind säht, wird Sturm ernten. Ich sähe Ehrlichkeit und ernte Augenrollen. Wiedermal kann mich das Aktion-Reaktion Prinzip königlich am Arsch lecken. Ja, es ist auffällig, mein Gefluche intensiviert sich. Liegt zum Einen an meiner Arbeit im Kindergarten, eine no-go-area für Genervtheit oder Kraftausdrücke, sozusagen Hobbyverbot am Arbeitsplatz. Zum Anderen ist es einfach so, dass ich mir ständig anhören darf, dass Mann und Mensch meine Ehrlichkeit und Direktheit zu schätzen weiß, was mir wiederum (mehr oder weniger zum Bedauern des Ein oder Anderen) die Schranken ins "Fuck-Off-Dorf" öffnet. Nun habe ich schon eine halbe Seite mit dem Inhalt meines uninspirierten Gedankenkollektivs gefüllt, ich lasse es für heute gut sein. Da sag ich mal Prost und schlürfe noch einen Drink im örtlichen "Pissed-Off-Pub".

Montag, 14. Februar 2011

Valendiensttag

So da ist er wieder. Der eine Tag im Jahr der allen Frust, allen Sarkasmus und alle Genervtheit in einem Schwall unmessbaren Pessimismus gipfeln lässt. Valentinstag – ein Gericht, welches mentalen und emotionalen Durchfall beschehrt. Der Tag begann mit kleinen Hors d´euvre, in meinem Fall mit mehr oder weniger witzigen Wortspielen wie „Würgentinstag“ oder schlicht „Weltbrechtag“. Nicht sehr kreativ, dessen bin ich mir bewusst. Aber alle Handlungen am heutigen Tag sind nur Äußerungen inneren Zwiespalts und Frustration. Zwiespalt insofern, dass ich in einer festen Beziehung immer Gegner dieses Floristenwettlaufs um die Krone aus beschissen übertriebenem rote Rosen und Engelchen – Kitsches war. Und da sitzt dann die Single Stevie, angepisst von der ganzen, wenn auch Pseudo-, Glückseligkeit. Ich kenne viele meiner Leidensgenossen, die am 14.Februar lieber das Glas an den Mund als die Geliebte über die Türschwelle oder ins ekelhaft nach Blumen und Schokolade stinkende Bett heben. Wir alle sind single, gefrustet, halten eigentlich nichts von der „Kommerzscheiße“ - aber sitzen dann doch Abends halb 9 allein zu Hause und obwohl Pärchen fürn Arsch sind und Romantik überflüssig ist, nervt uns genau dieser Zustand an. Wie herzerweichend ist doch die Vorstellung, zu zweit durch die Stadt zu spazieren und vor jedem glücklich dahinschlendernden Pärchen in die große Restwinterschlammpfütze zu springen um sich dann an der Atmosphäre gestörter Zweisamkeit und den empörten Mienen zu laben?
Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Doch der Haken ist der, dass bei all dem Geschimpfe man doch nur darüber erbost ist, dass man diese ganzen luftschlossabfackelnden und rosenzumverwelkenbringenden Pläne allein schmieden muss. Selbst gemeinsam hassen kann eine gewisse glückselige Stimmung erzeugen.
Woher kommt das nur, das man neidisch auf etwas ist dass man doch eigentlich verabscheut? Ist es der Grundfakt dass man eh nie etwas gönnt was man selber viel besser könnte oder verleugnen wir alle nur, dass die ganze Unverbindlichkeitsattitüde nur Verzögerungstaktik ist?
Naja, eh wir uns das eingestehen würden, wären noch so viele 14. Februare vergangen, dass es wohl auch keine Rolle mehr spielt. Ist ja nicht so, dass wir das Verlangen, auf saudämlich – glückliche Paare drauf zu kotzen, nur am Valentinstag hätten. Ich denke mal, der Tag soll uns arme frustrierte Emotionspessimisten daran erinnern, dass wir eigentlich Ziele haben sollten. Darauf kann ich nur dieselbe Antwort geben wie heut Morgen meiner Arbeitskollegin, die mich nach meinem „festen Freund“ und der von ihm gebrachten „Aufmerksamkeit am heutigen Tag“ fragte: „Ich versteh die Frage nicht!“

Mittwoch, 2. Februar 2011

Aufgeschlossenheit

Unsere Waschmaschine steht im Keller. Das heißt, um Wäsche zu waschen muss ich die Wohnung verlassen. Die Wohnungstür und mich trennen somit 34 Stufen und ein Türschloss. Zurzeit bin ich allein hier, was wiederum bedeutet, vergäße ich den Schlüssel wäre ich sprichwörtlich am Arsch. In den letzten Tagen hat sich bei mir die Gewohnheit entwickelt, dass ich, bevor ich das Haus verlasse, vor, während und nach dem Schuhe anziehen meine Jackentaschen ertaste, um sicher zu gehen, dass der Türöffner da ist. Obwohl der Schlüssel eigentlich nur Antagonist zum Schloss ist, ist er enorm wichtig. Kein Schlüssel hieße kein Essen, frieren und nach mehr als zwei Tagen auch stinken. Oder das alles im Austausch mit meiner Oma, die zurzeit krankgeschrieben ist und deshalb extrem genervt und gelangweilt. So oder so, Oma oder Treppenhaus – der Schlüssel erspart viel Geschrei.
Wie ich also mein morgendliches Ritual der Schlüsselbetastung vorüberziehen ließ, dachte ich an das Schlüsselprinzip.
Mir fiel dabei auf, dass man für jeden Menschen ebenso einen Schlüssel benötigt, um durchzudringen, um da oben, im Kopf, dem Zentrum dümmlich-depressiver Hirngespinste, etwas zu erreichen, ein Zeichen zu setzen, etwas begreiflich zu machen. Diese Schlüssel sind leider niemals handliche Metalldinger, und den „Taschenklappertest“ kann man leider auch nicht machen. Wenn wir am Abend das Haus verlassen, wissen wir nicht, ob wir den Schlüssel für die Begleitung, die neue Bekanntschaft oder – oh – sogar für den eigenen Geist mit uns tragen.
Es gibt Schlüssel, die sich auf mehrere Menschen anwenden lassen – so besonders die Exemplare Mitleid, Mitgefühl und Verständnis. Um in den Geist hoffnungslos depressiver Menschen eintauchen und etwas hinterlassen zu können, was nicht vom nächsten Schwall selbsthassgeladener Verzweiflung weg gewaschen wird, braucht es oftmals nur eine Nachfrage, ein offenes Ohr, und -klack-, ist der Tresor typisch–menschlich–emotionalen Innenlebens geöffnet und bereit, sich restlos ausräumen zu lassen.
Immer erfolgreich ist auch der schleimverschmierte Schlüssel auf dem das Wort KOMPLIMENT prangt. Das Ego eines scheinbar arroganten, unerreichbaren Menschen braucht nur kurze aber intensive Zuwendung, um vom stolzierenden Gaul zum kleinen Schmusekätzchen zu werden, dass ja eigentlich nur mal gedrückt werden will.
Es gibt auch Schlüssel, die man aus Prinzip erst auf Türen auf dem emotionalen Tiefgang eines Menschen anwenden sollte. Die Öffner „Selbstoffenbarung“ und „psychische Entblößung“ sind gefährlich. Mal wendet man sie an wie eine Kreditkarte am Schnappschloss, manchmal merkt man zu spät, dass der Schlüssel aus Zuckerwatte an der emotionalen Feuerschutztür des Gegenübers zerbricht. Viel zu oft bekommt man die Pforten auf, wird aber sofort vollkommen hineingezogen und mit dem weltgrößten Scheinwerfer beleuchtet, während man noch das Schild an der Wand überfliegt „SELBSTACHTUNG „ich muss leider draußen bleiben““.
Und dann gibt es noch jene Menschen, die so viele Schlösser haben.....jedoch keines davon berühren lassen. Da kann man das dicke Schlüsselbund zücken und durchprobieren – liebe Freunde, es wird kein Schlüssel passen. Die wenigen, die es vielleicht doch tun, wird man euch aus der Hand schlagen. Das ist die bittere Wahrheit, manche Türen wollen, manche sollten verschlossen bleiben. Wir werden immer wieder auf Menschen treffen, die uns nicht hereinlassen, auch wenn auf dem Klingelschild fast schon unser Name steht. Die Freude, unbemerkt eine Tür geöffnet zu haben, wird uns schnell genommen. Man wird sie zuschlagen. Ja, es gibt Menschen, die uns schlichtweg nur den Blick durchs Schlüsselloch gewähren lassen. Eben diese geben uns jedoch immer einen neuen Schlüssel mit auf den Weg.