Dienstag, 28. Juni 2011

Portionierte Zuneigung

Menschen lieben es zu spielen. Sie stellen eigene Regeln auf und gehen mit erschreckender Berechnung vor. Man kennt dies aus zweitklassigen Daily Soaps, dass diverse blonde Sandys und Cindys pseudoschlaue Pläne aushecken um Rivalinnen aus dem Rennen zu kicken oder ganze Familien zu zerstören.
Bedauerlicher Weise spielen Menschen in der Realität – nunja, immer. Wahre Freundschaft hin oder her, manche Dinge werden verheimlicht um Ärger zu ersparen, der dann im gut gewählten Moment entladen wird, zum eigenen Nutzen. Umso furchtbarer ist der Fakt, dass verliebte Menschen am allerliebsten spielen. Nicht nur mit Freunden und Familien oder gar unschuldigen Zukunftsplänen, nein, sie spielen mit dem heiß- und kaltgeliebten Partner. Die fast schon olympiareife Lächerlichkeitsparade beginnt meist schon zu Beginn einer Beziehung. Der stete Wechsel zwischen Distanz und Nähe wird so ausgereizt, dass das eigene Geltungsbedürfnis von sich selbst dermaßen strapaziert wird, dass man den Fakt der Ehrlichkeit von Anfang an in den Wind schießen kann.
Man lernt sich kennen, und vom Austausch der Handynummer an geht man bemerkenswert strategisch vor, indem man sich mal mehr, mal weniger meldet um sich interessant zu machen. Das mag anfangs reizvoll sein, doch spätestens wenn die Sache Form annimmt, sollten Fronten geklärt sein. Ist dies jedoch nicht der Fall, beginnt das neue Glück damit, dass Zuneigung nur in aufgeteilten Portiönchen verabreicht wird, entweder nach Laune oder nach Plan.
Das Schlimme daran ist, dass jeder Spieler seinesgleichen verurteilt und meist mit Trotz und Wut auf die überdachten Schachzüge des Gegenübers reagiert. So dreht man sich immer schneller im Kreis, und im Auge dieses Orkans steht das was man fühlt, was jedoch vom Sturm hin- und hergetragen wird.
Leider gibt es kein Auffanglager für ausgehungerte Opfer solcher Spiele und es gibt auch nie die Gewissheit, dass die Spiele ein Ende nehmen. So verschiebt sich auch das Aktions-/ Reaktionsgefüge. Richtig schwierig wird die Sache, wenn dann der eine Moment eintritt, indem man eine volle Ladung herzzerreißend – federleichter Wahrheit ins Gesicht gespuckt bekommt und sich diese dann in Zeiten der olympischen Menschlichkeitsspiele immer wieder vorhalten muss, um nicht den Glauben an das Gute zu verlieren, insofern dieser denn besteht.
Und dann? Steht man zwischen Glück und Verzweiflung und wird von Schwarz nach Weiß gerissen, ohne nun wirklich zu wissen wohin man denn gehört und gehören sollte.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Emotionale Sparflamme führt nicht ausschließlich zu Kälte

Ich war verschollen. Irgendwo zwischen dem was ich war, was ich sein wollte und dem was ich tatsächlich geworden bin. Viel zu oft wehrt man sich gegen das Unausweichliche, als renne man durch ein brennendes Haus und ließe die Wassereimer unbeachtet stehen, weil man trotzig denkt „Ich habe keinen Durst“. Wenn uns dann die Erkenntnis trifft, die uns der beste Freund prophezeit und die beste Freundin augenrollend nachgesagt hatte, scheinen wir überraschter als man erwarten dürfte. Die Frage die sich mir dabei auftut ist, ob man auch glücklich in Realitäten sein kann, die man sich auferlegt um dem zu flüchten, was einfach wäre und uns glücklich macht, wir aber prinzipiell verabscheuen. Ist die Flucht vor dem inneren Verlangen ein Rennen gegen die Zeit, oder eine sinnvolle Fluchtoption vor der idealeverschlingenden Realität, die uns, ob flüchtig oder nicht, immer auf den mit Scham und Sarkasmus behafteten Fersen ist.
Kann man mit der sich selbst aufrechterhaltenden Illusion glücklich werden, man käme ganz allein klar? Lohnt sich der innere Dialog wenn man sich stets einredet, Egoismus sei das richtige Futter für den inneren Schweinehund, der doch beginnt zu schnurren wenn man in den Armen samstagabendlicher Beischlafpartner liegt? Macht man es sich nicht zu einfach, wenn man die eigene Stärke nur durch sich selbst testet, wenn man sich selbst auf de Knie zwingt kann man doch selbst entscheiden wann man aufersteht. Ich für meinen Teil habe beschlossen, die nächste Stufe zu betreten. Wenn man lernt den Wert eigener Schwäche messen zu können ist man doch auch bereit, den Test zu wagen, ob man sich trotz Tiefschlag auf den Beinen hält. Ob man an der Herausforderung wächst oder durch das ganze Weichgespüle einläuft.
Derzeit drohe ich in eine Pfütze aus purem Glück zu verlaufen, die es nicht mal stört wenn übermütige Besserwisser hineinspringen, um den Mist in alle Richtungen zu verteilen. Ganz im Gegenteil: Sie führen mich nicht damit vor, sie zeigen mir damit, dass es auch eine Art Glück gibt, die nicht absichtlich Neid erzeugen soll.
Es ist vielleicht nicht das erfolgversprechendste Vorhaben mit dermaßen lückenhaften emotionalen Grundkenntnissen den Schritt in eine feste Beziehung zu gehen, doch das Glück der Gehassten soll nicht länger das sein, was mich ankotzt – nein, ich unterwandere den verliebten Teil der Unsrigen und versuche zu zeigen, dass es möglich ist: Auch die ewig Unzufriedenen werden einmal müde. Man kann sich nicht ewig davor sträuben, das Feuer zu löschen; das Feuer selbsterzeugter pseudozufriedenstellender Angst und Genugtuung.
Das alles ist Teil dessen, es wird Zeit aufzuräumen mit den Vorurteilen eines Halb-Wirs und den Unwahrheiten über die Aufgabe eigener Autonomie. Wieviel schöner ist es doch, die im Selbstkampf errungene Freiheit mit einem Menschen zu teilen, der nicht das Haus entzündet sondern die Fähigkeit, endlich wieder fallen zu können.

Montag, 4. April 2011

und am ende wills keiner gewissen sein....

Immer wieder schön zu beobachten - die Ungewissheit über die Ausschreitungen menschlicher Emotionen. Wir machen so selten Unterschiede zwischen dem was wir wissen und dem was wir vermuten bald bestätigt zu bekommen. Wir spekulieren tagein, tagaus was uns gesagt wird, was getan wird, wer mit wem, warum mit dem und sowieso ist jede Wahrheit zu unbequem, sie drückt an den Sohlen, sie juckt tief in den innersten Zellen und sie quält uns auch ganz oben, im Kopf. Er ist der Ort an dem wir uns die schlimmsten Horrorszenarien und die schönsten erwartungsschweren Luftschlösser erschaffen, nur um sicher zu gehen, unser vorgefertigtes Bild bestätigt, unsere Meinung untermalt und gedanklich erstellte "daskannnursoseinundnichtandersich kannindiesersacheunmöglichfalschliegen"- Pamphlet abgestempelt zu bekommen.
Umso überraschender ist es für den Pessimist, wenn erhoffte aber eigentlich zu realitätsfremde und deshalb  nicht einkalkulierte Glücks- oder Zufälle doch eintreten. Die Freude darüber erschließt sich aus der Summe des Erwartungshorizonts und der Dauer des unerwarteten, meist zentriert gesetzten Schicksalsschlages, der in der Regel erst die Zeit vom Platz und dann das letzte bisschen Glück aus uns heraus prügelt.
Unterschiede gibt es hierbei nicht nur in Dauer und Qualität, sondern auch in der Reaktion des vom sogenannten "Schicksal" Zerdroschenen. Manche Menschen ertragen Enttäuschung, nehmen sie hin und denken sich nur "fuck it". Andere hingegen wissen, dass sie komplett unrealistische Erwartungen haben, die schier unmöglich zu erfüllen sind, sehen die Enttäuschung trotz alledem nicht kommen (!) und schieben die Zerstörung diverser pseudorealistischer Hoffnungen dann einfach den Mitmenschen in die Schuhe. Das mag für den Moment eine gute Lösung sein, wohl die Einfachste. Aber es fordert Gewissenlosigkeit, Stärke und ein extrem riesiges Umfeld, dass die Grenzen des dafür nötigen Egos bei Weitem sprengen würde.
Beim Setzen von Erwartungen oder bei dem Wunsch nach deren Erfüllung sollte man klare Grenzen ziehen in Sachen Relevanz. Manche Menschen sind es ncht wert, über sie nachzudenken. Nicht, dass sie uns diesen Fakt immer und immer wieder begreiflich machen würden - trotzdem haben all diese Erwartungsmeuchler etwas an sich, dass uns fesselt und unseren selbstdefinierten Toleranzbereich aufs Äußerste strapaziert.
Natürlich geschieht das immer unbewusst und niemand will uns was Böses. Der Wolf wollte das Rotkäppchen nicht fressen, er konnte ja nix dafür, dass das naive Blondchen mit dem roten Mantel sich so weit vorgelehnt hatte, dass es in den Schlund fiel.
Am Ende ist jeder das Opfer und keiner der Täter, nach Gewissenhaftigkeit fragt niemand und alle Bösewichte kommen einfach so davon und schlendern mit dem nächsten dahergelaufenen Unglückstäubchen in den Sonnenuntergang. Das Strahlen am Horizont wird am Ende doch nur der mit Fackeln bewaffnete Mob sein, der den erwartungstötenden, leider optisch und qualitativ so ansprechenden, und in jedem Fall für die Psyche einer Frau ungesunden Gewissensallergiker außem dem Bild kickt - und manchmal ist dieser Mob eine Ein-Frau Armee, die dir immer wieder aufs Neue den Tag rettet.

Mittwoch, 30. März 2011

Fucked ist Fakt

Jeder Mensch, mit dem wir verkehren, erwartet gewisse Dinge. Aufmerksamkeit, Loyalität, Befürwortung, Verständnis und natürlich Ehrlichkeit. Ehrlichkeit ist leider wie eine Zwiebel, vielschichtig und oftmals bitter. Welch lasche Metapher für ein solch bedeutsames Wort. Doch die zugesprochene Relevanz möchte ich dem Wort hiermit entziehen. Das mit der Ehrlichkeit ist tatsächlich personell abhängig. Menschen erhalten immer meine ehrliche Meinung und Wertung, Menschen die sich Sympathie verdienen erhalten dazu noch den "ich spreche über mich"-Ehrlichkeits-Bonus und jene Wenigen die ich wirklich richtig gern habe bzw. einfach zu lang  kenne um etwas verbergen zu können, dürfen sich die "Nichts verschweigen"-Klausel zunutze machen. Ja das Thema "anlügen oder nicht erwähnen" ist weit umstritten in allen Radianten moralisch flexibler und moralisch konservativer Möchtegernehrlicher.
Angelogen werden ist scheiße, klar. Aber sich Stress vom ehrlichkeitsverschwollenen Hals zu halten ist doch durchaus vertretbar. Objektivität ist das Schlüsselwort jeder emotional-menschlichen Konstellation. was so schwer für viele erscheint, basiert auf einem simplen Prinzip: Wenn wir meins und deins teilen wollen, will ich zuvor erstmal wissen was ich mir da aneigne. Die Subjektivität bezüglich eines geliebten Menschen aufzugeben ist wie das Öffnen des ersten Hosenknopfes: Ich bin gespannt was mich erwartet aber muss damit rechnen, dass es mir Licht des Alltags nicht gefallen könnte.
Eine weitere solcher Problemzonen sind Ehrlichkeit in Verbindung mit Emotionen und Ehrlichkeit in Verbindung mit Körperlichkeit. Lügen, wenn es um Gefühle geht , sei es das, was wir Liebe nennen, Freundschaft, Hass oder eben die Erkenntis über Gleichgültigkeit, ist verdammt gefährlich und nicht empfehlenswert. Bezüglich dieses Themas ist es von ausschlaggebender Bedeutung, etwas zu verschweigen - also lieber reden und sagen, was zu sagen ist.
Was Sex angeht, sind die Regeln simpel. Handelt es sich um das bloße Tun und man ist an dem Punkt an dem Schweigen die Dinge entkompliziert, sollte man eben einfach still sein. Um die Sache wird eh ein zu großer Hype in sachen "Relevanz für dies und das" entwickelt.
Notorische Lügner sind in gleichem Maß zu hassen und zu bemitleiden wie jene Menschen, die meinen, jedem Anderen sofort ihre Meinung kund tun und es als "ich sage immer was ich denke"  verkaufen zu müssen. Alles sagen was man denkt ist nicht ehrlich, es ist penetrant. Soll ich jedem Menschen den ich treffe sagen was ich in diesem Moment denke? Dann hätte in verschiedenen Kreisen einen Ruf als promiskuitive Heiratswütige, arrogante Zicke oder poltisch inkorrekte Nörglerin. Denn der erste Gedanke ist nicht wirklich immer hilfreich, denn, um das Phrasenschwein zu füllen: Der erste Schein trügt immer.

Samstag, 12. März 2011

Pi, x und Menschlichkeit

Eigentlich ist unser Leben eine sich selbst ergänzende Gleichung. Immer wieder spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle, scheinbar winzige Erfahrungen, Empfindungen oder Entscheidungen die das Ergebnis plötzlich komplett verändern und es sogar vom Negativen ins Positive wandeln – auch das Gegenteil ist allerdings möglich. Man addiert Menschen zu und subtrahiert sie vom eigenen Leben, um zu erreichen, dass die Gleichung doch irgendwann, irgendwie wieder aufgeht. Manchmal wird man gezwungen das komplette emotional-mathematische Konstrukt durch neu auftretende Pflichtbewusstseinsquotienten zu teilen. Manche entscheiden sich dafür, alles was war und nicht hätte sein sollen in allesvergessenlassende Klammern zu setzen und dem eine neue Parabel, etwa einen besonderen Menschen oder eine erfüllende Tätigkeit, voranzusetzen um so die ganze Gleichung mit einer Art Motivation zu überschreiben. Der Haken bei der Sache ist, dass die bekannten Faustregeln der Mathematik im tatsächlichen Leben nicht gelten. Ganz davon abgesehen, dass wir niemals die Chance haben werden, auszurechnen, was er oder er nun eigentlich von mir will, oder was das Gegenüber damit oder damit bezwecken will. Ursachenforschung ist nun mal nicht Aufgabe rational aufgebauter Wissenschaften. Was die Lebensgleichung auch überhaupt nicht zu begünstigen scheint ist die mathematische Regel, minus mal minus ergäbe plus. Wie schön wäre es, wie viel leichter wäre das Leben. Doch wenn sich die negativen Erfahrungen oder Faktoren zu Konstanten entwickeln, ist es schier unmöglich sie durch jegliche Kalkulation aus dem Leben zu streichen. Hierauf bezogen gilt in meinem zwischenmenschlich-mentalen Rechenschieber immer „Punktrechnung geht vor Strichrechnung“. Ich schwöre auf die Methodik, sich mit dem Punkt zu beschäftigen, an dem der Ärger anfing, bevor ich mich entscheide etwas aus meinem Leben zu streichen. Ob dies erfolgreich ist sei dahingestellt, jedoch habe ich so das Gefühl, dass, wenn die Gleichung einmal ausgeschrieben ist, ein Rest bleibt, der mir irgendwie zeigt, dass ich meine Abschlussprüfung in emotionaler Mathematik für Praxis im Alltag bestanden habe.
Das Problem hierbei, wenn man ständig einklammert und versucht, alles mit Motivatoren zu multiplizieren um die Nenner für das eigene Leben sich praktisch von Quartal zu Quartal ändern, ist, dass man die Übersicht verliert. Man verliert den Fokus darauf, an welcher Stelle man gerade gerechnet hat, man scheint nicht mehr zu wissen, ob man etwas zufügen oder abziehen soll – das führt letztendlich dazu dass man das ganze, bereits verechnete und sauber in das Ziffernbuch emotional unlösbarer Gleichungen eingetragene erneut von ganz vorn aufrechnen muss. Dann klebt man an der Vergangenheit und vernachlässigt die Gegenwart, denn wie ich anfangs sagte, die Gleichung ist selbstständig. Sie fragt nicht ob wir eine Pause brauchen, ob es zu schnell geht, nein, sie rechnet einfach immer weiter. Es gibt hier keinen Definitions- oder Wertebereich, der das Ergebnis eingrenzt. Nein es ist wahrlich grenzenlos. Wenn man dann den Zwischenstand betrachtet, schleicht sich immer wieder diese eine kleine schmierige Konstante ein, die die ohnehin selten bestehende Logik dieser Gleichung komplett vernichtet und so oft man versucht etwas auszugleichen, so bieten sich gerade durch diese Konstante, diese Kraft, die Wissenschaft, Biologie, Theologie und sogar Esoterik etc. vor ein Rätsel stellt, die neusten und schönsten Wege und in der Regel, und das ist sicher, geschehen dann Dinge, mit denen man nie gerechnet hat.

Freitag, 11. März 2011

Geschlecht geht schlecht

Wurde es eigentlich jemals nachgewiesen, dass man das ein oder andere nur für einen Menschen empfinden kann? Ich habe zwar eine strikte Abneigung gegen das inflationär gebrauchte und von emotional unsicheren Menschen rhetorisch misshandelte "Ich liebe dich" - doch ist es wirklich möglich, emotional polygam zu leben? Und dies womöglich geschlechterübergreifend? 
Da ich sonst nur darauf herumzutreten pflege lässt sich ein Statement zum Thema weltenzerstörendes, charaktärezermalmendes und glückfressendes L Wort nicht länger herauszögern. Logischerweise hat dies den Antrieb wiederaufgenommener und intensiviertes Selbstanalyse, einfach auf dem Fakt beruhend, dass ich derzeit gleich zwei Menschen die drei pechbringenden Worte sagen kann ohne das oben genannte Wortvergewaltigungsspektakel zu vollführen. Das erste gilt der Liebe meines Lebens - nennt es klischeehaft, es ist meine beste Freundin, denn wie heißt es so schön "Bros before Hos". Das zu erklären gestaltet sich schwieriger als man meinen dürfte denn es ist kein HändchenhaltendüberdieWiesespringenundBlumenkränzeflechten-Verhältnis. Da wäre zum einen die räumliche Distanz, die diese Freundschaft über jede meiner bisherigen zwischenmenschlichen Beziehungen stellt, denn Fakt ist, dass wir, ob Entfernung oder nicht, den Bezug zueinander nie verloren haben, auch wenn mal 3 Monate Funkstille war, da sich eine von uns gerade im Glück/Bett/eingebildet emotional bedingtem Rausch herumtreibt. Das ist die eine Liebe, die die alles überwindet, sie ist sozusagen mein Ritter auf dem Gaul - nur dass sie lieber auf hübschen Stuten zu reiten pflegt. 
Die andere Liebe, was soll ich sagen. Ich kenne sie kaum und habe noch nicht mal einen ganzen Tag mit ihr verbracht. Es ist jene typische Verknalltheit, man findet alles was sie sagt, was sie tut usw. usf. einfach nur perfekt und unantastbar. Sie ist die Freundin einer Freundin und mich hat es absolut erwischt. 
So dass sind sie, die zwei Menschen die sich die bösen Wörter zuschreiben dürfen ohne jeden Hintergedanken an Zweifel oder vermeintlich respektloses Lechzen meinerseits. Und jetzt kommt der eigentliche Hammer: Ich bin ein absoluter Männerfan. Nicht unbedingt menschlich, aber anatomisch. Wie kann das sein - verliebt in Frauen und am Wochenende schwärmt man dann doch für die ein oder andere (eindeutig!) männliche Errungenschaft....? Ich hasse die Unterteilung, dass Frauen emotionale Wesen sind und Männer ausschließlich dem reproduktiven Zweck dienen sollen und, biologisch,  auch nur Gefallen am Üben für den "Ernstfall" haben. Doch irgendwie scheint es sich ja in diesem meinem Fall zu bewahrheiten. Erschreckend. Wie erklären sich dann die gescheiterten Versuche ernsthafter Beziehungen mit Männern? Ok ich gebs zu, ab und an hab ich dieses scheußliche Gefühl auch bezüglich der ein oder anderen nichtweiblichen Kreatur. Doch ich blicke langsam nicht mehr durch. Das wünscht sich doch die Männerwelt - Frauen die Körperlichkeiten und Emotionen trennen. Aber ich hab das Gefühl, ich mache es mir etwas zu leicht indem ich das auf die (gesellschaftlich aufgedrückten) Geschlechterrollen verteile.

Donnerstag, 10. März 2011

Der Kosmos in einem Zwinkern

Um es vorweg gleich zu klären: Ich glaube nicht an Schicksal. Ich bin nicht der Meinung, dass Dinge vorbestimmt sind, dass alles aus einem Grund geschieht oder die Texte für unsere Gespräche schon geschrieben, die Wege für unsere Begegnungen bereits gepflastert oder unsere Entscheidungen schon gewählt wurden von etwas, das wir weder sehen noch hören, uns doch die ganze Zeit umgibt. 
In den letzten Wochen ringe ich trotz meiner schlechten Meinung über Gott und die Welt mit mir selbst darum, an etwas wie kosmische Gerechtigkeit oder Karma zu glauben. Für mich war der Glaube an etwas immer nur die Schuldabweisung eines Menschen oder eine hübschere Maske der Auswegs- und Ratlosigkeit.
Bekommen wir für schlimme und gute Taten, für Egoismus und Selbstlosigkeit bishin zum Selbsthass eine kosmische Quittung? Und als ob die Ungewissheit hierüber nicht ausreiche – falls ja, erfahren wir dann jemals, wann sie kommt und in welchem Maße? Und die Spiegelansicht dessen, dass wir Trost finden für zugefügten Schmerz – ist das nicht alles „Ja und Amen“-Philosophie?
Beim Vorübergehen durch den Garten den wir Erfahrungsschatz nennen zeigt sich doch immer wieder das wir dasselbe Spiel mit verschiedenen Menschen ausprobieren. Vielleicht aus Müdigkeit darüber, neue Regeln aufzustellen oder aus Angst (noch) kläglich(er) zu versagen. Und man dürfte meinen, dass die Erfolgschancen mit dem Erfahrungsschatz proportional ansteigen. Doch – haha – nein, falsch gedacht. Immer wieder bekommen wir Zeichen, weichen ab vom Plan und landen in derselben Sackgasse. Ist es denn das Schicksal, dass wir Namen, Zahlen und sogar Autokennzeichen der immer selben Leute überall zu sehen scheinen, dass alle Gespräche, so absurd die Themen auch seien (oder gerade deswegen?) immer auf den selben Nenner kommen? Und so verstrickt man sich in einem Kreis aus Wut und Schwärmerei, und jedes Vorankommen und jedes Zurückschrecken erinnert uns an vorangegangene Erlebnisse, mit der einen Frage auf den Lippen: Wird es diesmal besser?
Tja, so gern ich mir immer wieder sage dass liegt in den nach Halt und Hilfe flehenden Händen jedes Einzelnen - ist es möglicherweise die Vergangenheit, die unser Handeln lenkt? Nicht die Angst vor der Zukunft oder Unwissenheit über die Gegenwart (oder umgedreht....) sondern die Fehler und Nichtfehler vergangener Lieben? Jeder Single, ob auf der „großen Suche“, ob zwischenmenschlich total abgeneigt, ob hobby-, möchtegern- oder vollblutpromiskuitiv wird doch immer wieder von Neuem an Altes erinnert. Was vielleicht in einer Beziehung zum größten Problem werden kann ist jedoch als Alleinstehender doppelte Qual, denn man stellt sich unwillentlich die Frage: Werd ich meinen Seelenfrieden kriegen oder habe ich die große Chance schon verspielt?

Donnerstag, 24. Februar 2011

Pein oder nicht Ich sein, das ist hier die Frage!

Es ist erstaunlich: Wir nah an der Verzweiflung parkenden Singles versuchen jede Chance auf möglicherweise angenehme Zweisamkeit zu ergreifen, lassen schreckliche Dates oder wenigstens Versuche solcher über uns ergehen, tun dies trotz des immerselben Resultats des enttäuschten Abschiedsseufzers am Ende der Veranstaltung – und dann gibt es tatsächlich noch Menschen, die trotz ihrer optischen und charakteristischen Unansehnlichkeit wählerisch sind und nur ja und nein kennen. Im Laufe meiner Solokarriere habe ich festgestellt, dass Kompromisse und Abstriche in Sachen erwünschter Attribute nötig sind, um nicht in totale emotionale Lethargie zu verfallen. Das heißt nicht, dass Interaktion, egal in welcher Form, nur noch mit zweitklassigen Menschen mit, nunja, zweitklassigen „Qualitäten“ nötig ist. Der ästhetische Radar ist nie und nimmer ausgeschaltet, doch man lässt sich auf die ein oder andere Verabredung ein, mit dem Wissen wie es wahrscheinlich ausgehen wird, nur in der Hoffnung dass er vielleicht auf den Bildern/ gestern Abend schlechter aussieht als eigentlich und es sich doch etwas entwickeln könnte, dass ein paar bunt-explodierende Endorphine in die allabendliche, allzeitgraue Alleinseinsschweigeorgie bringt.
Und nach all den Strapazen der vergangenen Wochen steht mir dann dieser durchaus freundliche aber durchaus unschöne Mensch gegenüber, und verabschiedet sich mit den Worten „Wenn es bei dir nicht gefunkt hat wars das an der Stelle, ich will keine Freundschaft mit dir“. Ist es noch zu fassen? Da biegt und dreht man sich und gibt jedem dahergelaufenen No-Go eine Chance auf Vielleicht-Go oder doch sogar Go!-Go! und will sich durch diesen Optimismus ein bisschen Würde bewahren. Da spaziert das nächstbeste Never-Go vorbei und ist nicht im Geringsten über seine Dreistheit beschämt, sich mitten auf dem evolutionsbiologischen Abstieg eine Flagge aus der erfahrungsleeren Tasche zu ziehen und damit herum zu schwenken als gäbe es kein tränenreiches Morgen (und das gibt es in seinem Fall definitiv!!!!) ?! Da fragt man sich doch wirklich, ob man sich unterm Wert verkauft oder ob man den eigenen Wert auf dem knallharten Markt zwischenmenschlicher Beziehungen nicht um einiges steigern könnte, ließe man die Selbstwahrnehmung nur nicht allzu nah an die Selbstausstrahlung. Oder sind wir gar nicht das nach Zuneigung von seitens schöner Menschen jappsende, einsame Völkchen sondern ein Haufen attraktiver, in Freiheit liebender Alleinstehender, denen die ganze Welt offen steht und für die „abendlicher Kontakt“ zum Weggehen gehören wie Zigaretten und tanzen?
Wenn das Never-Go-Männlein sich erlauben darf, Freundschaften mit definitiv hübschen Never-Be-Weiblein zu verschmähen, dürfen wir dann nicht genauso wählerisch sein? Scheiße ja! Und es ist doch auch immer einfach, arrogant über die zu lachen, die uns eine Korb geben oder den gegebenen Korb für überflüssig halten. Um am Schluß Phantasiens Grünländer No. 1 und den Kleinstadtpisser zu zitieren: „Hab Selbstvertrauen, Single, hab Selbstvertrauen!“

Dienstag, 22. Februar 2011

Blogkade

Im Physikunterricht haben wir gelernt, dass, stülpt man ein Glas über eine Flamme, sie erlischt. Toll, ich bin die Flamme und der Sauerstoff liegt unter meinen Händen. Wäre da nicht die abgefuckt-erdrückende Realität die sich täglich über mich stellt um mir die Luft zu nehmen und mit dem Finger auf mich zeigend zu sagen: Sei doch mal glücklich. Lass das Geschreibe, hör auf zu denken, verdammt nochmal Stevie genieß doch mal alles. Ok neben der Realität fliegen da noch Augen Ohren und Stimmen meiner Mutter/ besten Freundin/ inneren Stimme der Selbstterapie mit. Meine Fresse, und das höre ich noch von so vielen anderen Leuten, denen es auch nicht besser geht. Sie verpacken ihr Gejammer eben nicht ausschließlich in charmant-wortgewandten Texten (Eigenlob stinkt aber schmeckt ) sondern lassen es nur halb so verzweifelt dastehen indem sie einfach die Umstände kritisieren, womit sie vermitteln, selbst keinen Einfluss auf die Wendepunkte ihrer Laufbahn zu haben. Obwohl sie sich die Hürden selbst in den Weg stellen, meckern sie dann darüber, dass sie darüber springen mussten. Im nächsten Moment schimpfe ich über den simplen Fakt, überhaupt immer rennen zu müssen, ohne mich 1. für den Marathon angemeldet zu haben und 2. ohne eine Pause einlegen zu können und darf mir dann von den Hürdenhassern Dinge anhören wie: "Wenn du nicht nölen darfst bist du nicht glücklich oder?" gepaart mit Möchtegernmotivatoren wie "Sei doch mal froh überhaupt laufen zu können."
Ja, verdammte Scheiße, ich bin nun mal ab und zu etwas unzufrieden und verleihe dem Ausdruck, indem ich auf die simple Frage  pseudointeressierter Menschen "Wie gehts" mit " Schlecht" antworte. Wer Wind säht, wird Sturm ernten. Ich sähe Ehrlichkeit und ernte Augenrollen. Wiedermal kann mich das Aktion-Reaktion Prinzip königlich am Arsch lecken. Ja, es ist auffällig, mein Gefluche intensiviert sich. Liegt zum Einen an meiner Arbeit im Kindergarten, eine no-go-area für Genervtheit oder Kraftausdrücke, sozusagen Hobbyverbot am Arbeitsplatz. Zum Anderen ist es einfach so, dass ich mir ständig anhören darf, dass Mann und Mensch meine Ehrlichkeit und Direktheit zu schätzen weiß, was mir wiederum (mehr oder weniger zum Bedauern des Ein oder Anderen) die Schranken ins "Fuck-Off-Dorf" öffnet. Nun habe ich schon eine halbe Seite mit dem Inhalt meines uninspirierten Gedankenkollektivs gefüllt, ich lasse es für heute gut sein. Da sag ich mal Prost und schlürfe noch einen Drink im örtlichen "Pissed-Off-Pub".

Montag, 14. Februar 2011

Valendiensttag

So da ist er wieder. Der eine Tag im Jahr der allen Frust, allen Sarkasmus und alle Genervtheit in einem Schwall unmessbaren Pessimismus gipfeln lässt. Valentinstag – ein Gericht, welches mentalen und emotionalen Durchfall beschehrt. Der Tag begann mit kleinen Hors d´euvre, in meinem Fall mit mehr oder weniger witzigen Wortspielen wie „Würgentinstag“ oder schlicht „Weltbrechtag“. Nicht sehr kreativ, dessen bin ich mir bewusst. Aber alle Handlungen am heutigen Tag sind nur Äußerungen inneren Zwiespalts und Frustration. Zwiespalt insofern, dass ich in einer festen Beziehung immer Gegner dieses Floristenwettlaufs um die Krone aus beschissen übertriebenem rote Rosen und Engelchen – Kitsches war. Und da sitzt dann die Single Stevie, angepisst von der ganzen, wenn auch Pseudo-, Glückseligkeit. Ich kenne viele meiner Leidensgenossen, die am 14.Februar lieber das Glas an den Mund als die Geliebte über die Türschwelle oder ins ekelhaft nach Blumen und Schokolade stinkende Bett heben. Wir alle sind single, gefrustet, halten eigentlich nichts von der „Kommerzscheiße“ - aber sitzen dann doch Abends halb 9 allein zu Hause und obwohl Pärchen fürn Arsch sind und Romantik überflüssig ist, nervt uns genau dieser Zustand an. Wie herzerweichend ist doch die Vorstellung, zu zweit durch die Stadt zu spazieren und vor jedem glücklich dahinschlendernden Pärchen in die große Restwinterschlammpfütze zu springen um sich dann an der Atmosphäre gestörter Zweisamkeit und den empörten Mienen zu laben?
Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Doch der Haken ist der, dass bei all dem Geschimpfe man doch nur darüber erbost ist, dass man diese ganzen luftschlossabfackelnden und rosenzumverwelkenbringenden Pläne allein schmieden muss. Selbst gemeinsam hassen kann eine gewisse glückselige Stimmung erzeugen.
Woher kommt das nur, das man neidisch auf etwas ist dass man doch eigentlich verabscheut? Ist es der Grundfakt dass man eh nie etwas gönnt was man selber viel besser könnte oder verleugnen wir alle nur, dass die ganze Unverbindlichkeitsattitüde nur Verzögerungstaktik ist?
Naja, eh wir uns das eingestehen würden, wären noch so viele 14. Februare vergangen, dass es wohl auch keine Rolle mehr spielt. Ist ja nicht so, dass wir das Verlangen, auf saudämlich – glückliche Paare drauf zu kotzen, nur am Valentinstag hätten. Ich denke mal, der Tag soll uns arme frustrierte Emotionspessimisten daran erinnern, dass wir eigentlich Ziele haben sollten. Darauf kann ich nur dieselbe Antwort geben wie heut Morgen meiner Arbeitskollegin, die mich nach meinem „festen Freund“ und der von ihm gebrachten „Aufmerksamkeit am heutigen Tag“ fragte: „Ich versteh die Frage nicht!“

Mittwoch, 2. Februar 2011

Aufgeschlossenheit

Unsere Waschmaschine steht im Keller. Das heißt, um Wäsche zu waschen muss ich die Wohnung verlassen. Die Wohnungstür und mich trennen somit 34 Stufen und ein Türschloss. Zurzeit bin ich allein hier, was wiederum bedeutet, vergäße ich den Schlüssel wäre ich sprichwörtlich am Arsch. In den letzten Tagen hat sich bei mir die Gewohnheit entwickelt, dass ich, bevor ich das Haus verlasse, vor, während und nach dem Schuhe anziehen meine Jackentaschen ertaste, um sicher zu gehen, dass der Türöffner da ist. Obwohl der Schlüssel eigentlich nur Antagonist zum Schloss ist, ist er enorm wichtig. Kein Schlüssel hieße kein Essen, frieren und nach mehr als zwei Tagen auch stinken. Oder das alles im Austausch mit meiner Oma, die zurzeit krankgeschrieben ist und deshalb extrem genervt und gelangweilt. So oder so, Oma oder Treppenhaus – der Schlüssel erspart viel Geschrei.
Wie ich also mein morgendliches Ritual der Schlüsselbetastung vorüberziehen ließ, dachte ich an das Schlüsselprinzip.
Mir fiel dabei auf, dass man für jeden Menschen ebenso einen Schlüssel benötigt, um durchzudringen, um da oben, im Kopf, dem Zentrum dümmlich-depressiver Hirngespinste, etwas zu erreichen, ein Zeichen zu setzen, etwas begreiflich zu machen. Diese Schlüssel sind leider niemals handliche Metalldinger, und den „Taschenklappertest“ kann man leider auch nicht machen. Wenn wir am Abend das Haus verlassen, wissen wir nicht, ob wir den Schlüssel für die Begleitung, die neue Bekanntschaft oder – oh – sogar für den eigenen Geist mit uns tragen.
Es gibt Schlüssel, die sich auf mehrere Menschen anwenden lassen – so besonders die Exemplare Mitleid, Mitgefühl und Verständnis. Um in den Geist hoffnungslos depressiver Menschen eintauchen und etwas hinterlassen zu können, was nicht vom nächsten Schwall selbsthassgeladener Verzweiflung weg gewaschen wird, braucht es oftmals nur eine Nachfrage, ein offenes Ohr, und -klack-, ist der Tresor typisch–menschlich–emotionalen Innenlebens geöffnet und bereit, sich restlos ausräumen zu lassen.
Immer erfolgreich ist auch der schleimverschmierte Schlüssel auf dem das Wort KOMPLIMENT prangt. Das Ego eines scheinbar arroganten, unerreichbaren Menschen braucht nur kurze aber intensive Zuwendung, um vom stolzierenden Gaul zum kleinen Schmusekätzchen zu werden, dass ja eigentlich nur mal gedrückt werden will.
Es gibt auch Schlüssel, die man aus Prinzip erst auf Türen auf dem emotionalen Tiefgang eines Menschen anwenden sollte. Die Öffner „Selbstoffenbarung“ und „psychische Entblößung“ sind gefährlich. Mal wendet man sie an wie eine Kreditkarte am Schnappschloss, manchmal merkt man zu spät, dass der Schlüssel aus Zuckerwatte an der emotionalen Feuerschutztür des Gegenübers zerbricht. Viel zu oft bekommt man die Pforten auf, wird aber sofort vollkommen hineingezogen und mit dem weltgrößten Scheinwerfer beleuchtet, während man noch das Schild an der Wand überfliegt „SELBSTACHTUNG „ich muss leider draußen bleiben““.
Und dann gibt es noch jene Menschen, die so viele Schlösser haben.....jedoch keines davon berühren lassen. Da kann man das dicke Schlüsselbund zücken und durchprobieren – liebe Freunde, es wird kein Schlüssel passen. Die wenigen, die es vielleicht doch tun, wird man euch aus der Hand schlagen. Das ist die bittere Wahrheit, manche Türen wollen, manche sollten verschlossen bleiben. Wir werden immer wieder auf Menschen treffen, die uns nicht hereinlassen, auch wenn auf dem Klingelschild fast schon unser Name steht. Die Freude, unbemerkt eine Tür geöffnet zu haben, wird uns schnell genommen. Man wird sie zuschlagen. Ja, es gibt Menschen, die uns schlichtweg nur den Blick durchs Schlüsselloch gewähren lassen. Eben diese geben uns jedoch immer einen neuen Schlüssel mit auf den Weg.

Mittwoch, 12. Januar 2011

PAARodie

Glück ist immer eine Frage der Perspektive. Vorteile werden, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, in Sekundenschnelle zu Hindernissen. Und beleuchtet man sie von den übriggebliebenen Seiten sind sie meistens wie 19jährige Mädchen: Durchschaubar, fehlerhaft und man kann sie nur für kurze Zeit genießen.
Es dauert nie lang, bis man auf die Klinge der Realität trifft, die uns von der Glückssträhne befreit, die uns die ganze Zeit vor den Augen hing und den Blick fürs Wesentliche verlieren ließ.
Da sind wir: Im Zeitalter, in dem es immer etwas zu meckern gibt. Der schönste Zustand fuckt uns zutiefst ab, nur beim Gedanken daran, dass er, egal wie schön, vergänglich ist. Zuverlässige Freunde werden zum Mythos, die große Liebe zum Epos und Harmonie schlichtweg zum pausenfüllenden Lacher.
Es sind kaum noch die bekannten charmanten Antworten auf unpassende Fragen übriggeblieben. Zu viel ist zu stressig, zu wenig deprimierend. Die unbekannt-bekannte „goldene Mitte“ schiebt immer ein „circa“ vor sich her, klare Ansagen und unpassende Wahrheiten scheinen nicht mehr zu passen, zu viele Menschen sind aus dieser Attitüde herausgewachsen. Alles dreht sich um sich selbst, Erwartung und Reaktion vervollständigen sich im geschrienen Oxymoron dieser Generation.
Und trotz dieser in den Weg geworfenen, allesversperrenden Hindernisse konfrontiert man uns mit Fragen wie: „Was denkst du?“, „Was tust du?“ und dem wirklich perversen Brechmittel „Und was ist mit Liebe?“
Hat man dann die Eier, seine (auf einem aus Erfahrungen gegossenen Fundament stehenden) Überzeugungen kund zu tun, tut es einem trotzdem Leid, denn die enttäuschten Mienen flößen einen Cocktail aus Reue und Frustration ein, der die so schwer erlangten narzisstischen Adern zu einer Fläche aus Selbstmitleid erfrieren lässt, auf dem die Optimisten mit deinem Ego Hockey spielen.
Bei dem ganzen Gesülze frage ich mich, wo bzw. was die Quelle dieser immer wiederkehrenden Hoffnung ist. Sind wir bezüglich der Facetten schöner Dinge farbenblind geworden oder sind Traumwelt und Leben so ineinander verschwommen dass keine realitätsverseuchte Linse im Spektrum pessimistischer Konstrukte eine klare Trennung vollziehen könnte?! Sind wir verzweifelt oder einfach nur müde?

Donnerstag, 6. Januar 2011

Parallel is? Muss!

Im Laufe der Zeit geschehen viele Dinge mit uns, ohne dass wir sie bemerken. Wir verändern uns, wir bilden Meinungen, Traumwelten, Realitäten – verschiedene Parallelwahrnehmungen die wir aufrufen, wenn wir sie brauchen. Momentaufnahmen des eigenen Ichs, die wesentliche situative Unebenheiten glätten sollen, um das Vorankommen oder auch Stillstehen zu optimieren.
Dabei werden wir immer wieder beeinflusst, von Orten, von Eindrücken und natürlich auch von Menschen. Bekannte Charaktere bescheren oft das Zurücktaumeln in Erinnerungen, die wir verdrängt haben oder es zumindest wollten. Sie rufen Emotionen wach, erinnern an Zufriedenheit oder jedoch an Wut und Verzweiflung und lassen einen Vergleich ziehen wer wir waren und wer wir immer sein wollten und doch nicht geworden sind.
Manchmal wecken aber auch bis dato unbekannte Personen Erinnerungen. Das sind entweder jene, die wir gern hätten, aber ausgeblieben sind oder ermahnen unsere innere Zensur, den Selbstschutz, die Verdrängung, Herausgestrichenes wiederherzustellen.
Manche lehnen solche ab und löschen die Nachricht auf dem AB der selbst heraufbeschworenen Amnesie.
Mich hingegen regen solche, wie so vieles, an, über mich nachzudenken. Meine Mutter zeigte mir vor einigen Wochen einen Aufsatz den sie lange vor meiner Geburt schrieb. Er beinhaltete ihre Vorstellungen der Person ihres zukünftig eventuell gezeugten, eventuell geliebten und definitiv durchgeknallten Sprösslings. Eine solche Auflistung gewünschter positiver Attribute fertigen wir selbst an. Täglich. Ohne es zu bemerken. Wie oft steht man dumm da und denkt sich „Hätte ich nur das getan/gesagt/entschieden/verhindert.“ Und immer wieder fällt mir auf, dass uns nicht nur die Dinge ausmachen, die wir getan haben, sondern auch jene die wir, mehr oder weniger unbedacht, gelassen haben.
Bestes Beispiel hierfür ist meine Mutter: Hätte sie die strapazierende, provozierende und äußerst unkoordinierte Abfolge chaotischer Sinneswandelungen meines Lebensabschnittes zwischen 13 und 17 überbewertet und mit der eigentlich erwarteten Strenge zu verhindern versucht, wäre ich heute nicht da wo ich bin. Und auch wenn diese Dimension mir manchmal missfällt bin ich doch, und das ist ausnahmsweise keine Ironie, ein Glanzstück meiner Generation bzw. der Folgenden. Obwohl dies zu beurteilen meine Fähigkeiten überragt meine ich doch sagen zu können, dass ich mich für mich selbst weit weniger schäme als für den Großteil der dummdreisten und selten dämlichen Masse Jugendlicher und Kinder, die die Straßen Deutschlands füllt.
Kinder sind hier mit genannt, weil der Übergang von Kind zu kindsköpfigem Jugendlichen einfach zu undeutlich geworden ist. Der Wortschatz ist beinahe identisch, der geistige Horizont fast unverändert und das Verlangen nach diesem endet schon beim morgendlichen Anpöbeln auf der Straße. Ich pöble für mein Leben gern, jedoch sträubt sich jede Faser in mir gegen kleine 12jährige Rotzer die einem frühs auf dem Weg zur Arbeit auf den Sack gehen mit Wortgewalten wie „Geile Alte“ oder „EEEEEEY Baby“.
Diese Charakterzüge tragen natürlich nicht ausschließlich alle „Teenager“, jedoch fängt es so an und endet dann viel zu oft mit Ignoranz und geistiger Leere, die ausschließlich durch schlechte Musik, dem Fernsehprogramm und ,naja, ich möchte keine Klischeeäußerungen nutzen, tu es aber trotzdem, der Interesse für BILD-Schlagzeilen begleitet wird.
Die Gespräche werden von hohlem Phrasengeklopfe verschluckt und der Horizont von stapelweise billig – überschätzten Lebensinhalten verdunkelt, was nicht einmal die durchschnittliche Alltagsschizophrenie zulässt – dem Erstellen genannter Parallenwahrnehmungen. Es ist absolut gesund, nicht alles zu hinterfragen, es ist gut zu feiern und einfach ab und an mal das blaue Bonbon zu schlucken um jegliche Peilung zu verlieren und die eigenen Vorstellungen als die einzig wahren aufrechtzuerhalten. Aber das Nichtwissen über das, was hinter dem Tellerrand liegt, ist dramatisch.
Der leichte Weg ist eben immer durch dicke Mauern gekennzeichnet, (Anti-) Orientierungsscheuklappen, was ihn für Außenstehende schwer zugänglich macht, jedoch an sich einfacher zu gehen ist. Der andere Weg lässt Farben zu, Worte, Inspiration. Der Stoff aus dem Psychosen und Genies gemacht sind. Der Witz dabei ist, dass beide Wege zum gleichen Ziel führen: An Erinnerungen, Reue und Stolz, menschliche Perversionen des biologischen Gleichgewichtes (sprich: Emotionen), kurz und knapp: An Urnen mit derselben Asche und Särge aus demselben, irdischen Holz – ganz unabhängig davon, was uns im Leben erleuchtet haben mag.