Da meint „so mancher“ es sei ein wahres Wunder in „der
heutigen Zeit“ noch romantisch zu denken. Romantisch nicht im Sinne von
Eichendorff sondern im Sinne windhaucherschütterlichen Neuzeitoptimismus. Dann
ist man ein Harmoniepriviligierter und beginnt zu romantisieren, ein Wettlauf
gegen den Wind wenn man mich fragt – der einem das Schönlebentoupet sofort
wieder vom Kopf zu fegen scheint. Alle seien zu kalt, zu schnellebig – ja das
sage ich, das sagen diese und jene, und am Ende kosten wir alle wieder gern vom
Kuchen und reden uns ein, er macht nur für den Moment fett. Wir werfen mit Erfahrungen
um uns als wäre es menschliches Konfetti, um, reflektiert wie wir sind, am Ende
die frage zu stellen „Was hab ich denn eigentlichzu verpassen gefürchtet?“ Ha, wenn die Mehrheit
wenigstens so nah dran wäre, diese Frage zu stellen. Freundschaften und Partner
werden zu Marathontrikots – jedoch läuft man nichtmal bis zum ersten Tisch mit
den Wasserflaschen und befürchtet doch, so sehr geschwitzt zu haben, dass man
sie bald wechseln muss. Der Mensch musste ja niemals lernen, sich an seine
Umwelt anzupassen. Entweder verändert er sie so, dass es passt oder er wechselt
sie so oft, dass es garkeinen Nutzen hätte, sesshaft zu werden. Werden die
ständigen Politdiskussionen zu wider sucht man sich einfach Hipsterfreunde, die
garnichts interessiert, nicht mal mehr der letzte Artikel in der NEON, weil
sogar die zu viel meckern. „Uns gehts doch gut, wir haben mehr als die meisten!
Wie, genau das ist das Problem?“ ...“ Ach hör doch auf, das sind doch auch nur
meine Steuergelder.....!“ Wird einem der
Freund zu wider, hey, andere Mütter haben auch schöne .... und so. Ich kenne
mittlerweile Menschen aus allen Schichten emotionaler und gesellschaftlicher
Oberflächlichkeit, und egal wie man fährt – am Ende sitzt man doch in einer
Rakete und versucht, abzuheben, hauptsache weg hier. Zum Glück gibt es ein
beachtliches Repertoire zur allgemeinen Ignoranzhilfe : Uppers, Downers,
Parties, Heulen, Musik, Poesie, Studium, Familie und Ficken, jederzeit
erweiterbar, her mit den zwischenmenschlichen Verdrängungsupdates und Abfuckadd-ons!
Und selbst wenn die private Cloud mal grau wird, dann finden sich bestimmt ein
paar Freunde die entweder überromantisiert oder realitätstaub geworden sind und
versuchen, dir mit aller Kraft Optimismus in die verkalkten Nerven zu pumpen,
und wenn die Nadel stumpf ist, wird so oft angesetzt bis sie sich wie selbst
durch den ganzen Frust schiebt. Wenn dir der beste Freund irgendwann die
rhetorische Unbequemlichkeit unter die Nase und in die Ohren schiebt, dass es
keine Downs gibt sondern nur kurze Highs zwischendurch, greift der
Selbstschutzmechanismus und man landet wieder auf schlagspäteraufsahneweicher Romantik. Dann
isses garnich so schlimm, am Ende des Tunnels ist zwar kein Licht, ach pff ein
entgegenkommender Zug auch nicht! Nein, es ist eine Pseudoerkenntnis, ein
Lückenfüller fürs Gewissen – scheiß auf E´s und Schokolade, da kommt das
Serotonin doch mit dem alltäglichen Kotzreiz mit.
Montag, 28. Oktober 2013
Montag, 27. Mai 2013
Im Eifer des Gefühls
Es gibt Dinge, mit denen ich nicht klarkomme. Eifersucht zum Beispiel. Ich sage das bewusst so und nicht, dass ich eifersüchtig bin, denn ich glaube jeder Mensch ist eifersüchtig. Jeder trägt dieses Suchtpotenzial in sich. Manch einer kann damit umgehen, es gut sein lassen, entspannt bleiben. Manch einer ist diesbezüglich sogar so mit sich selbst im Reinen, dass es gar nicht juckt, dass ohne großen selbstkontrollierten Aufwand weitergelebt werden kann alá "dann eben nicht". Meinen Respekt haben die. Denn manch einer kann gar nicht damit umgehen. Der bewertet über, der steigert sich rein, der genießt zu gern um zu vergessen. Doch konsequent-erfolgreicher Widerstand gegen die Eifersucht heißt nichts als festes Egofundament und gute Pflege dessen. Wenn das doch mal angegriffen wird.....puh, unklares Gefühl oder? Aber das ist nur eine vielmals bestätigte Verallgemeinerung, auch Komplexmonster stärken sich an der Eifersuchtsresistenz, bestimmt.
Ich finde die generelle Wortwahl unpassend. Es ist ja keine Sucht nach Eifer - nicht mal im Sinne des Nacheiferns. Denn Eifersucht motiviert nicht zu Höherem, weckt nicht zum Eifer. Vielmehr drückt sie runter, zwingt zum resignierenden Schlaf der Uneifrigen, der Mitsichabgefundenen. Das Gefühl beschreibt eher einen Eiferentzug als eine Abhängigkeit.
Typisch abnervende Sprüche bei offensichtlich aufkeimender Eifersucht: "Naja aber das steht dir ja nicht zu" Oder auch schön: "Der gehört dir ja nicht." - Ach was?! Tatsächlich!!??
Seit wann assoziiert Mensch eigentlich Eifersucht mit Besitzanspruch? Als hätte diese Empfindung nur ihre Berechtigung, um daran alle negativen emotionalen Auswüchse festzukleben. Boshaftigkeit, Missgunst, Eifersucht. Klingt einfach, klingt gut.
Dass Eifersucht ein Ausdruck von Zuneigung ist, wenn auch zurückgewiesener Zuneigung, doch Zuneigung als positiv zu bewertendes Gefühl allemal, scheint als Option nicht vorhanden zu sein.
Ich für meinen Teil zelebriere meine Eifersucht. Ich pflege sie, stutze sie zuweilen, aber lasse sie im Licht des passiv-aggressiven Optimismus stehen, anstatt sie im Dunkel der Negativassoziationen verrotten zu lassen. Dann wird die Eifersucht nämlich verbittert, wie ein extrem introvertierter Mensch. Der fühlt sich auch scheiße weil ihn keiner leiden kann, nur weil er nicht offensichtlich unter der mürrischen Maske massenhaft rosa Zuckerwattegedanken hegt. Tut er aber!!!!
Wertschätzung, Zuneigung, Eifersucht. Klingt unharmonisch? Ist es denn negativ zu bewerten, gemocht werden zu wollen?
Negativ oder positiv assoziiert - das mag umstritten sein, doch sicher ist: Scheiße fühlt es sich immer an. Und, im Übermaß konsumiert, verleitet Eifersucht dazu, ungeheuer dümmliche Verzweiflungsakte zu begehen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Nein, sie ist der verdammte Hulk. Sie ist klein und zart und sobald man ihr zu nahe kommt und die strapaziert, wächst sie zu großem grünen Neid und schlägt um sich. Und ist zu allem Übel auch noch unverwundbar.
Dann kann der Tanz beginnen: Taumelnde Frustphasen, gleitende Wut und torkelnde Charismaschritte fügen sich zu einer Höllenpartie und gestalten erst den Abend, dann den müden Sonntag und dann sogar den verdammt miesen Montag. Glückwunsch, dann hat sie dich - die stolzsaugende Ohgottwiesollichdaiwiederrauskommendakannmanjanurverlieren-Venus-Fliegenfalle.
Freitag, 24. Mai 2013
Zeitlich begrenzte Unendlichkeit
Das Leben ist der Lauf der Dinge. Diese aus pseudomotivierenden, absturzabendlichen und gerade zu dejavúhaft erschreckenden Reden bekannte Floskel ist der Schlüssel, die verdammte Antwort. Die Zeit, das was wir als Zeit wahrnehmen, das Voranschreiten der Realität, das tatsächlich-traurige Nie-Stillstehen - genau das ist es. Lebensbewältigungstaktiken wie Verdrängen, Vergessen und Verstehen schöpfen ihren selbstzerstörerischen Antrieb aus der Zeit. Alle Energien wachsen an der Zeit, Motivation vergeht und entsteht neu, Verzweiflung erblasst und nach geraumer Zeit ist es gar nicht so schwer, dem abgeblätterten alten Ego, mit all seiner Zurückweisung und Enttäuschung, einen neuen Anstrich zu verpassen. Geschehnisse im Laufe der Zeit beeinflussen unser Denken, unsere Ansicht - Zeit macht alle Wunden.
Schöne Zeit treibt uns voran in unbekannte neue Momente, an neue, strahlende Gesichter und mit dem Verstreichen der Minuten, Stunden, Tage gelingt es uns, in diese Farben einzutauchen und die Schatten zu sehen, alles was nicht vom Licht berührt wird, zu entdecken und beschert uns einen erschreckend realistischen Blick auf alte Muster, verblichene Fassaden und Abdrücke, Male - allem was im Laufe der vorbeiziehenden Zeit haften bleibt und immer wieder mehr oder minder schön überschminkt und abgedeckt wird.
Tick, tick, tick. Die Zeit läuft. Sie ist unabhängig, selbstgerecht, tatsächlich verantwortungslos. Jeder weiß das. Mit unschönem Beigeschmack lässt sich feststellen, wie subjektiv Zeit erlebt und genutzt wird. Mit jedem Vergleich zwischen mir und den Anderen wird die Spanne zwischen Lebzeit und gelebter Zeit deutlicher. Da macht die Selbstwahrnehmung oft nur halb so viel Spaß. Was auch immer schön ist, was auch immer erfüllt und belebt ... doch bleibt diese Euphorie nicht zwischen den Subjektivitäten stecken. Was schafft der Andere? Wie glücklich ist er, wie nutzt er die Chancen, die wir doch alle haben? Folgen vorantreiben und nicht von Trieben verfolgt werden. Etwas zu bereuen ist verzwickt, aber umso nötiger, denn aus Fehlern lernt man. Also lernen wir ein ganzes Leben und verpassen den Punkt, an dem wir aus der ganzen Scheiße einen Nutzen ziehen könnten.
Soll man lieber das "waswärewenn"-Fenster schließen und konsequent bleiben oder doch mal wieder frische Luft atmen...? Wenn es schief geht tut das weh. Doch kommt die Zeit, kommt auch der Rat. Und der ist im Endeffekt affektiv und immer derselbe; dass es immer irgendwie weitergeht.
Mittwoch, 22. Mai 2013
Stillstandsaromen
"Das Glück, weißt du was das ist? Eine unendliche Ruhe. ich finde keinen gescheiteren Ausdruck dafür. Das kommt erst, wenn alles vorbei ist, der Ehrgeiz, die Demütigung, der Neid, der Wettbewerb..." (Paul Cézanne)
Fortschritt. Immer dieses Wort, immer dieses Ziel, keine Kompromisse. Von der Wiege bis zur Bahre - Hauptsache ertragreich, Hauptsache vorwärts. Einkommen, Rauskommen. Als gäbe es automatische Sanktionen, wenn man einfach mal stillsteht und nur lebt um zu leben. Das nennt man im Volksmund wohl Faulheit. Fortschritt um des Fortschritts Willen nenne ich Genusslosigkeit.
Im Vordergrund steht für mich individuelles Vorankommen, menschlich, zwischenmenschlich, intellektuell, kreativ. So, und der Schlüssel? Wie lernt man denn laufen? Durch das Offensichtliche, durch die Beine. Da klappts ja auch, aufrichten, einen Fuß vor den Anderen. Da ist es auch nicht schlimm wenn man mal hinfällt oder irgendwo hinläuft wo man nicht hinlaufen möchte. Dann dreht man eben um. Oder nicht? Warum ist es so schlimm, menschlich mal auf der Unsicherheit zu schlittern und über Grenzen zu stolpern? So findet man sie, und vor Allem sich, ja erst. Leider hängen unter den Komplexen und über den Idealen keine Beine, die es einfach so möglich machen, zu laufen.
Menschen sind voller Kratzer vom Hinfallen. Manche vergessen eben, über ihre Wunden ein Pflaster zu kleben und geben sich keine Möglichkeit, sie heilen zu lassen. Da werden Attitüden davor gehalten, Talente und sogar Fehler. Und dann - bam- im mehr oder weniger richtigen Moment vergisst man dann die Sicht darauf zu verdecken und zeigt, was noch da ist und eigentlich nur aufhält. Misserfolge ausleben, Erfahrungen vermissen und Entscheidungen bereuen. Jaja, man lernt aus Fehlern. Alle sagen das und hängen trotzdem fest, anstatt aufzustehen und mal einen Schritt zu machen, nach vorn, oder sich einfach mal hinzusetzen und mal die Ruhe zu genießen, eben nichts zu bereuen, eben mal nichts zu müssen, eben mal nicht zu denken sondern einfach mal machen, einfach mal genießen.
Vollendetes Glück ist utopisch, das hält nicht auf Trab, das hieße festwachsen, dichtmachen. Denn egal wie schön es war, es kommt immer ein neuer Funke, ein Anstoß, eine Inspiration. Und dann heißt es, den Moment auskosten! Sich reinlegen und alles aufsaugen, das ist Ruhe.
Fortschritt. Immer dieses Wort, immer dieses Ziel, keine Kompromisse. Von der Wiege bis zur Bahre - Hauptsache ertragreich, Hauptsache vorwärts. Einkommen, Rauskommen. Als gäbe es automatische Sanktionen, wenn man einfach mal stillsteht und nur lebt um zu leben. Das nennt man im Volksmund wohl Faulheit. Fortschritt um des Fortschritts Willen nenne ich Genusslosigkeit.
Im Vordergrund steht für mich individuelles Vorankommen, menschlich, zwischenmenschlich, intellektuell, kreativ. So, und der Schlüssel? Wie lernt man denn laufen? Durch das Offensichtliche, durch die Beine. Da klappts ja auch, aufrichten, einen Fuß vor den Anderen. Da ist es auch nicht schlimm wenn man mal hinfällt oder irgendwo hinläuft wo man nicht hinlaufen möchte. Dann dreht man eben um. Oder nicht? Warum ist es so schlimm, menschlich mal auf der Unsicherheit zu schlittern und über Grenzen zu stolpern? So findet man sie, und vor Allem sich, ja erst. Leider hängen unter den Komplexen und über den Idealen keine Beine, die es einfach so möglich machen, zu laufen.
Menschen sind voller Kratzer vom Hinfallen. Manche vergessen eben, über ihre Wunden ein Pflaster zu kleben und geben sich keine Möglichkeit, sie heilen zu lassen. Da werden Attitüden davor gehalten, Talente und sogar Fehler. Und dann - bam- im mehr oder weniger richtigen Moment vergisst man dann die Sicht darauf zu verdecken und zeigt, was noch da ist und eigentlich nur aufhält. Misserfolge ausleben, Erfahrungen vermissen und Entscheidungen bereuen. Jaja, man lernt aus Fehlern. Alle sagen das und hängen trotzdem fest, anstatt aufzustehen und mal einen Schritt zu machen, nach vorn, oder sich einfach mal hinzusetzen und mal die Ruhe zu genießen, eben nichts zu bereuen, eben mal nichts zu müssen, eben mal nicht zu denken sondern einfach mal machen, einfach mal genießen.
Vollendetes Glück ist utopisch, das hält nicht auf Trab, das hieße festwachsen, dichtmachen. Denn egal wie schön es war, es kommt immer ein neuer Funke, ein Anstoß, eine Inspiration. Und dann heißt es, den Moment auskosten! Sich reinlegen und alles aufsaugen, das ist Ruhe.
Sonntag, 5. Mai 2013
Manuelle Macken
In der WG liegen die Löffel vorn. Ich habe seit meiner
Geburt in einem Haushalt gelebt in der die Messer ganz links in der
Besteckschublade liegen. Beim Abtrocknen geriet ich geradezu in einen
Schockzustand als ich feststellen musste, dass dieser gewohnte Takt beim
Verrichten ener Haushaltspflicht, die ich in meiner Jugend aber- und abermals
verrichten musste, jetzt gestört wird. Im Haushalt meines Exfreundes wusch ich
oft auf und behielt es mir vor die Besteckreihenfolge beliebig nach meinen
Vorstellungen und meiner Ordnung zu verändern. Ist sowas denn gut? Es ist
irgendwie Teil der Alltagsbewältigung, Arbeiten im eigenen Rhytmus zu
verrichten, in selbst festgelegter Reihenfolge. Scheiße wird es erst, wenn sich
solche Strategien in den eigenen Charakter fressen und festbeißen. Es ist
nunmal einfach, das Schema anzuwenden – beim Besteck und in der Interaktion.
Dem Besteck ist es ziemlich egal, es liegt ja nur herum. Doch das mehr oder
weniger sozialisierte Gegenüber neigt in manchen, ach was, in vielen Fällen
dazu, unsere Strategie abzulehnen, ja sogar zu widerlegen. Ich lege die Gabeln
immer in die Mitte und lehne Vertrauen grundlegend immer erstmal ab. Seit ich
mal darauf hingewiesen wurde, mache ich meine Ringe vorm Schlafengehen ab. Den
ersten Zug einer Zigarette rauche ich nur auf Backe. Kein Mensch kann mir
erzählen er kann keine eigenen täglichen Marotten beobachten. Ist unsere
Reaktionsverhalten, und verdammt, unsere Wahrnehmung auch zur Alltagsmacke
verkommen – und wenn ja, sind solche emotionalen Neurosen Bequemlichkeit oder
selbstaufgestelltes unantastbares Gesetz? „Der/ die ist eben so.“ – ich höre es
und möchte dem, der diese Wörter ausspuckt direkt ins Gesicht kotzen. Seltenst
ist Verhalten unentschuldbar, denn meistens ist es subjektiv und absolut
kontrolliert. Ja, natürlich liebe Menschen – ich nehme mich da nicht raus, ich
erkläre mich oft genug damit, dass ich eben bin wie ich bin. Im Gegenwind der
Verurteilung dessen könnte und würde ich mich liebend gern auf mein Gesicht
übergebeben - aber so einfach ist das mit der Selbstkritik dann doch nicht. Auf
irgendeine Weise handelt man wie man handelt in der Illusion oder mit dem
Willen, das Richtige zu tun. Machen wir nicht – ist klar. Jedermanns
egoistische Subjektivität betreffend ist nichts richtig, nichts falsch. Man
kann nur sensibel werden. Sich, radikal ausgedrückt, verraten und alles
hinnehmen oder den Anderen mit emotionalen Schüssen vor den Bug vorantreiben. Die
Balance des Gebens und Nehmens, Anerkennen neurotischer Ungerechtigkeit oder
Unfähigkeit und alle anderen Facetten eines Kompromisses – himmelherrgott,
woher weiß man zwischen Interessenkonflikt und Selbstschutzkompromiss was man
eigentlich selbst noch will?
Montag, 1. April 2013
Frühlingsbedürfnisten
Was wir erleben, alles Nehmen und Geben; was uns
erschüttert,belebt,zerstört - alle Vorgänge der Interaktion sind angetrieben
von Bedürfnissen. Am Anfang jeden Dialogs muss die Frage nach dem "Was
brauche ich?" geklärt sein. Nunja, das mit dem Brauchen ist allerdings so
eine Sache. Ein Bedürfnis kann zuweilen nur durch Fremdeinwirkung gestillt
werden. Die Erfüllung eines dringlichen Bedürfnisses durch externes Eingreifen
oder Reagieren bezüglich der Situation schafft Abhängigkeit. Denn
meistens....ja meistens, da hat der externe Faktor einfach keine Lust oder
erkennt sich die Befähigung zur Rettung des metaphorisch-tatsächlichen Seelenheils
selbst ab. Da bleibt dann nicht viel außer fuck me, fuck off und tschüß. Und eben
das Bedürfnis, das kratzt und juckt - und das verschwindet nicht. Durch seine
eigene Nichterfüllung wird es erst angetrieben und das ist schlichtweg pervers. Es ertrinkt
nicht im Mischkonsum, erstickt nicht am Rauch und man schwitzt es nicht beim
Tanzen raus. Es verlässt uns nicht. Es sitzt drinnen und belächelt den Aufwand
den wir betreiben um es loszuwerden. Es lacht uns aus. Und irgendwann haben wir
vergessen wie es heißt und lassen zu, dass es mit uns spielt. Niemand kann es rufen und seine bewusste
Aufmerksamkeit erwecken. Und so macht es uns wahnsinnig. Fakt ist: Die Person, die
sich aus der Schuldfrage zu allererst herausantworten wird, und das ist sicher,
ist der Mensch der das verdammte Bedürfnis erweckt und dann die Befreidigung
dessen verwehrt hat.
Natürlich, ja ich weiß, man ist sich selbst der Nächste und
soll sich selbst glücklich machen. Liebe Menschen: Wenn die „Was brauche ich“ –
Frage allerdings nie, aber auch wirklich niemals nach Eigenliebe und
Selbstaltruismus verlangt, entsteht, und das bedauere ich wirklich immer
wieder, das Bedürfnis nach Abhängigkeit. Da ist nun der Knackpunkt: Was tun
wenn das große Bedürfnis eine Sache ist die nicht glücklich machen kann – und doch genauso das Nichterfüllen dessen
glückstechnisch destruktiv ist? In diesem Sinne, es ist gefühlter Sonntag und
somit erst recht kein Platz für Optimismus.
Mittwoch, 20. Februar 2013
Wahrheit oder Nicht?!
Wenn das ganze Leben über einem zusammenbricht lernt man viel über seine Freundschaften und Aufwand. Von Grund auf versprechen Freunde dasselbe - von der immer offen stehenden Tür, dem zeitrahmenlos immer angeschalteten Handy mit dem Versprechen den dafür vorgesehenen grünen Knopf zu benutzen, das offene Ohr, das liebende Herz....achja so viele Adjektive. Und so viele Worthülsen die dann beim ersten Anzeichen von Berührung zu Boden fallen und hach, dann wird noch selbst draufgetreten. Das Leben zieht vorbei und so mancher läuft vorüber, schaut betroffen und gibt herzerwärmend heuchlerische Floskeln wie "Ach, schon scheiße und so....."; manche bleiben neben dir stehen und schauen zu wie alles vorbeirauscht - das ist wenigstens mal eine Form von Anteilnahme. Die defizitäre Lebensplage die sich mit Aufwand ihre Gleichgültigkeit überschminkt stellt mich doch immer wieder vor ein Rätsel. Die Unlogik dich darüber aufzuklären was für ein "feiges Arschloch" dieser "Mistkerl der dich abserviert hat" doch ist - danke übrigens, dieser Fakt war mir natürlich absolut nicht bewusst - um sich dann den zweiten Tag nachdem deine Nerven und dein Stolz in tausend Stücke zerrissen wurden schon abzuwenden und jeden Versuch der Kontaktaufnahme zu unterbinden bringt mich fast zum lachen. Ja, Trauer macht sarkastisch. Und anstatt sich mit dem Menschen der dein Innerstes zur eigenen Belustigung vergewaltigt hat, was ja an sich schon Stoff für genügend Selbstkonflikte liefert, auseinanderzusetzen staunt man am Rande stündlich über die Ignoranz der selbsternannten engen Freunde. Der Aufwand beschränkt sich somit in 90% der Fälle auf Liebesbekundungen und Entschuldigungen mit anschließender erneuter liebevoll-strenger und passiv-aggressiver Stille. Vielsagende Stille denn jetzt hört man endlich wer wirklich was zu sagen hat: Zur einen Seite sehen Sie den gutmütigen Exfreund, die alte Schulfreundin, dicht gefolgt vom besten Freund im Konflikt mit der eigenen Beziehung der 50km entfernt wohnt und es trotzdem schafft sich Zeit und Herz zu nehmen die andererseits, zu Ihrer Rechten, versprochen wurden von zahlreichen besonders guten Freunden die zum einen Teil die neue Handynummer noch nicht gespeichert haben oder sich mit der allseitsbeliebten Unzugänglichkeits- oder physischen Distanzausrede aus der Situation der belastenden Freundin, die sie morgens um 2 Uhr zulabern können, befreit haben. Doch es geht weiter, das war noch nicht alles! Da kämpfen noch die steigende Libido und das Arschloch-Vermissen gepaart mit etwas Unsicherheit, Eifersucht und natürlich Selbstzweifel. Doch das Spotlight des Jahres geht an den Menschen der dir selbst jetzt noch verspricht da zu sein nachdem er dir Monate deines Lebens klaut um dich daran zu ersticken! Ta -da!
Da macht sich belustigte Sprachlosigkeit breit. Ist Aufwand eine Sache der subjektiven Wahrnehmung? Bewerte ich meinen eigenen Aufwand falsch? Abzüglich der menschgegebenen Selbstvergottung kann ich guten Gewissens nein sagen. Ich verspreche etwas und halte es oder sage von vorne herein nichts. Wir alle geben Zeit, die ja bekanntlich Geld ist, für sinnlose Menschen aus und verschwenden kostbare Momente indem wir sie mit Hoffnung füllen lassen und dabei ganz übersehen dass sie ein Fass ohne Boden sind und wir die Momente inhaltslos zurücklassen müssen. Wozu der Aufwand - dass ist die Frage des Abends, warum reißt man sich verbal den Arsch auf, wozu die Versprechen - wenn man dann doch nichts zu geben hat? Ich bin bekennender Fan von Kompromissen und Graustufen. Doch langsam wird es Zeit eine Seite auszuwählen: Versprechen und halten. Oder einfach den Mund halten.
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