Mittwoch, 22. Mai 2013

Stillstandsaromen

"Das Glück, weißt du was das ist? Eine unendliche Ruhe. ich finde keinen gescheiteren Ausdruck dafür. Das kommt erst, wenn alles vorbei ist, der Ehrgeiz, die Demütigung, der Neid, der Wettbewerb..." (Paul Cézanne)

Fortschritt. Immer dieses Wort, immer dieses Ziel, keine Kompromisse. Von der Wiege bis zur Bahre - Hauptsache ertragreich, Hauptsache vorwärts. Einkommen, Rauskommen. Als gäbe es automatische Sanktionen, wenn man einfach mal stillsteht und nur lebt um zu leben. Das nennt man im Volksmund wohl Faulheit. Fortschritt um des Fortschritts Willen nenne ich Genusslosigkeit.
Im Vordergrund steht für mich individuelles Vorankommen, menschlich, zwischenmenschlich, intellektuell, kreativ. So, und der Schlüssel? Wie lernt man denn laufen? Durch das Offensichtliche, durch die Beine. Da klappts ja auch, aufrichten, einen Fuß vor den Anderen. Da ist es auch nicht schlimm wenn man mal hinfällt oder irgendwo hinläuft wo man nicht hinlaufen möchte. Dann dreht man eben um. Oder nicht? Warum ist es so schlimm, menschlich mal auf der Unsicherheit zu schlittern und über Grenzen zu stolpern? So findet man sie, und vor Allem sich, ja erst. Leider hängen unter den Komplexen und über den Idealen keine Beine, die es einfach so möglich machen, zu laufen.
Menschen sind voller Kratzer vom Hinfallen. Manche vergessen eben, über ihre Wunden ein Pflaster zu kleben und geben sich keine Möglichkeit, sie heilen zu lassen. Da werden Attitüden  davor gehalten, Talente und sogar Fehler. Und dann - bam- im mehr oder weniger richtigen Moment vergisst man dann die Sicht darauf zu verdecken und zeigt, was noch da ist und eigentlich nur aufhält. Misserfolge ausleben, Erfahrungen vermissen und Entscheidungen bereuen. Jaja, man lernt aus Fehlern. Alle sagen das und hängen trotzdem fest, anstatt aufzustehen und mal einen Schritt zu machen, nach vorn, oder sich einfach mal hinzusetzen und mal die Ruhe zu genießen, eben nichts zu bereuen, eben mal nichts zu müssen, eben mal nicht zu denken sondern einfach mal machen, einfach mal genießen.
Vollendetes Glück ist utopisch, das hält nicht auf Trab, das hieße festwachsen, dichtmachen. Denn egal wie schön es war, es kommt immer ein neuer Funke, ein Anstoß, eine Inspiration. Und dann heißt es, den Moment auskosten! Sich reinlegen und alles aufsaugen, das ist Ruhe. 

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