Wenn das ganze Leben über einem zusammenbricht lernt man viel über seine Freundschaften und Aufwand. Von Grund auf versprechen Freunde dasselbe - von der immer offen stehenden Tür, dem zeitrahmenlos immer angeschalteten Handy mit dem Versprechen den dafür vorgesehenen grünen Knopf zu benutzen, das offene Ohr, das liebende Herz....achja so viele Adjektive. Und so viele Worthülsen die dann beim ersten Anzeichen von Berührung zu Boden fallen und hach, dann wird noch selbst draufgetreten. Das Leben zieht vorbei und so mancher läuft vorüber, schaut betroffen und gibt herzerwärmend heuchlerische Floskeln wie "Ach, schon scheiße und so....."; manche bleiben neben dir stehen und schauen zu wie alles vorbeirauscht - das ist wenigstens mal eine Form von Anteilnahme. Die defizitäre Lebensplage die sich mit Aufwand ihre Gleichgültigkeit überschminkt stellt mich doch immer wieder vor ein Rätsel. Die Unlogik dich darüber aufzuklären was für ein "feiges Arschloch" dieser "Mistkerl der dich abserviert hat" doch ist - danke übrigens, dieser Fakt war mir natürlich absolut nicht bewusst - um sich dann den zweiten Tag nachdem deine Nerven und dein Stolz in tausend Stücke zerrissen wurden schon abzuwenden und jeden Versuch der Kontaktaufnahme zu unterbinden bringt mich fast zum lachen. Ja, Trauer macht sarkastisch. Und anstatt sich mit dem Menschen der dein Innerstes zur eigenen Belustigung vergewaltigt hat, was ja an sich schon Stoff für genügend Selbstkonflikte liefert, auseinanderzusetzen staunt man am Rande stündlich über die Ignoranz der selbsternannten engen Freunde. Der Aufwand beschränkt sich somit in 90% der Fälle auf Liebesbekundungen und Entschuldigungen mit anschließender erneuter liebevoll-strenger und passiv-aggressiver Stille. Vielsagende Stille denn jetzt hört man endlich wer wirklich was zu sagen hat: Zur einen Seite sehen Sie den gutmütigen Exfreund, die alte Schulfreundin, dicht gefolgt vom besten Freund im Konflikt mit der eigenen Beziehung der 50km entfernt wohnt und es trotzdem schafft sich Zeit und Herz zu nehmen die andererseits, zu Ihrer Rechten, versprochen wurden von zahlreichen besonders guten Freunden die zum einen Teil die neue Handynummer noch nicht gespeichert haben oder sich mit der allseitsbeliebten Unzugänglichkeits- oder physischen Distanzausrede aus der Situation der belastenden Freundin, die sie morgens um 2 Uhr zulabern können, befreit haben. Doch es geht weiter, das war noch nicht alles! Da kämpfen noch die steigende Libido und das Arschloch-Vermissen gepaart mit etwas Unsicherheit, Eifersucht und natürlich Selbstzweifel. Doch das Spotlight des Jahres geht an den Menschen der dir selbst jetzt noch verspricht da zu sein nachdem er dir Monate deines Lebens klaut um dich daran zu ersticken! Ta -da!
Da macht sich belustigte Sprachlosigkeit breit. Ist Aufwand eine Sache der subjektiven Wahrnehmung? Bewerte ich meinen eigenen Aufwand falsch? Abzüglich der menschgegebenen Selbstvergottung kann ich guten Gewissens nein sagen. Ich verspreche etwas und halte es oder sage von vorne herein nichts. Wir alle geben Zeit, die ja bekanntlich Geld ist, für sinnlose Menschen aus und verschwenden kostbare Momente indem wir sie mit Hoffnung füllen lassen und dabei ganz übersehen dass sie ein Fass ohne Boden sind und wir die Momente inhaltslos zurücklassen müssen. Wozu der Aufwand - dass ist die Frage des Abends, warum reißt man sich verbal den Arsch auf, wozu die Versprechen - wenn man dann doch nichts zu geben hat? Ich bin bekennender Fan von Kompromissen und Graustufen. Doch langsam wird es Zeit eine Seite auszuwählen: Versprechen und halten. Oder einfach den Mund halten.