Dienstag, 28. Juni 2011

Portionierte Zuneigung

Menschen lieben es zu spielen. Sie stellen eigene Regeln auf und gehen mit erschreckender Berechnung vor. Man kennt dies aus zweitklassigen Daily Soaps, dass diverse blonde Sandys und Cindys pseudoschlaue Pläne aushecken um Rivalinnen aus dem Rennen zu kicken oder ganze Familien zu zerstören.
Bedauerlicher Weise spielen Menschen in der Realität – nunja, immer. Wahre Freundschaft hin oder her, manche Dinge werden verheimlicht um Ärger zu ersparen, der dann im gut gewählten Moment entladen wird, zum eigenen Nutzen. Umso furchtbarer ist der Fakt, dass verliebte Menschen am allerliebsten spielen. Nicht nur mit Freunden und Familien oder gar unschuldigen Zukunftsplänen, nein, sie spielen mit dem heiß- und kaltgeliebten Partner. Die fast schon olympiareife Lächerlichkeitsparade beginnt meist schon zu Beginn einer Beziehung. Der stete Wechsel zwischen Distanz und Nähe wird so ausgereizt, dass das eigene Geltungsbedürfnis von sich selbst dermaßen strapaziert wird, dass man den Fakt der Ehrlichkeit von Anfang an in den Wind schießen kann.
Man lernt sich kennen, und vom Austausch der Handynummer an geht man bemerkenswert strategisch vor, indem man sich mal mehr, mal weniger meldet um sich interessant zu machen. Das mag anfangs reizvoll sein, doch spätestens wenn die Sache Form annimmt, sollten Fronten geklärt sein. Ist dies jedoch nicht der Fall, beginnt das neue Glück damit, dass Zuneigung nur in aufgeteilten Portiönchen verabreicht wird, entweder nach Laune oder nach Plan.
Das Schlimme daran ist, dass jeder Spieler seinesgleichen verurteilt und meist mit Trotz und Wut auf die überdachten Schachzüge des Gegenübers reagiert. So dreht man sich immer schneller im Kreis, und im Auge dieses Orkans steht das was man fühlt, was jedoch vom Sturm hin- und hergetragen wird.
Leider gibt es kein Auffanglager für ausgehungerte Opfer solcher Spiele und es gibt auch nie die Gewissheit, dass die Spiele ein Ende nehmen. So verschiebt sich auch das Aktions-/ Reaktionsgefüge. Richtig schwierig wird die Sache, wenn dann der eine Moment eintritt, indem man eine volle Ladung herzzerreißend – federleichter Wahrheit ins Gesicht gespuckt bekommt und sich diese dann in Zeiten der olympischen Menschlichkeitsspiele immer wieder vorhalten muss, um nicht den Glauben an das Gute zu verlieren, insofern dieser denn besteht.
Und dann? Steht man zwischen Glück und Verzweiflung und wird von Schwarz nach Weiß gerissen, ohne nun wirklich zu wissen wohin man denn gehört und gehören sollte.