Immer wieder schön zu beobachten - die Ungewissheit über die Ausschreitungen menschlicher Emotionen. Wir machen so selten Unterschiede zwischen dem was wir wissen und dem was wir vermuten bald bestätigt zu bekommen. Wir spekulieren tagein, tagaus was uns gesagt wird, was getan wird, wer mit wem, warum mit dem und sowieso ist jede Wahrheit zu unbequem, sie drückt an den Sohlen, sie juckt tief in den innersten Zellen und sie quält uns auch ganz oben, im Kopf. Er ist der Ort an dem wir uns die schlimmsten Horrorszenarien und die schönsten erwartungsschweren Luftschlösser erschaffen, nur um sicher zu gehen, unser vorgefertigtes Bild bestätigt, unsere Meinung untermalt und gedanklich erstellte "daskannnursoseinundnichtandersich kannindiesersacheunmöglichfalschliegen"- Pamphlet abgestempelt zu bekommen.
Umso überraschender ist es für den Pessimist, wenn erhoffte aber eigentlich zu realitätsfremde und deshalb nicht einkalkulierte Glücks- oder Zufälle doch eintreten. Die Freude darüber erschließt sich aus der Summe des Erwartungshorizonts und der Dauer des unerwarteten, meist zentriert gesetzten Schicksalsschlages, der in der Regel erst die Zeit vom Platz und dann das letzte bisschen Glück aus uns heraus prügelt.
Unterschiede gibt es hierbei nicht nur in Dauer und Qualität, sondern auch in der Reaktion des vom sogenannten "Schicksal" Zerdroschenen. Manche Menschen ertragen Enttäuschung, nehmen sie hin und denken sich nur "fuck it". Andere hingegen wissen, dass sie komplett unrealistische Erwartungen haben, die schier unmöglich zu erfüllen sind, sehen die Enttäuschung trotz alledem nicht kommen (!) und schieben die Zerstörung diverser pseudorealistischer Hoffnungen dann einfach den Mitmenschen in die Schuhe. Das mag für den Moment eine gute Lösung sein, wohl die Einfachste. Aber es fordert Gewissenlosigkeit, Stärke und ein extrem riesiges Umfeld, dass die Grenzen des dafür nötigen Egos bei Weitem sprengen würde.
Beim Setzen von Erwartungen oder bei dem Wunsch nach deren Erfüllung sollte man klare Grenzen ziehen in Sachen Relevanz. Manche Menschen sind es ncht wert, über sie nachzudenken. Nicht, dass sie uns diesen Fakt immer und immer wieder begreiflich machen würden - trotzdem haben all diese Erwartungsmeuchler etwas an sich, dass uns fesselt und unseren selbstdefinierten Toleranzbereich aufs Äußerste strapaziert.
Natürlich geschieht das immer unbewusst und niemand will uns was Böses. Der Wolf wollte das Rotkäppchen nicht fressen, er konnte ja nix dafür, dass das naive Blondchen mit dem roten Mantel sich so weit vorgelehnt hatte, dass es in den Schlund fiel.
Am Ende ist jeder das Opfer und keiner der Täter, nach Gewissenhaftigkeit fragt niemand und alle Bösewichte kommen einfach so davon und schlendern mit dem nächsten dahergelaufenen Unglückstäubchen in den Sonnenuntergang. Das Strahlen am Horizont wird am Ende doch nur der mit Fackeln bewaffnete Mob sein, der den erwartungstötenden, leider optisch und qualitativ so ansprechenden, und in jedem Fall für die Psyche einer Frau ungesunden Gewissensallergiker außem dem Bild kickt - und manchmal ist dieser Mob eine Ein-Frau Armee, die dir immer wieder aufs Neue den Tag rettet.