Mittwoch, 27. Oktober 2010

Gefunden

Hab gerade ein Gedicht von mir gefunden an das ich mich nicht im Geringesten erinnern kann....vom 28.11.2009:

Lied vom Alleinsein

Im Takt meines Herzschlags,
fast schon stumm,
singt sich ein Lied in die Welt.
Benennt dich mit 1000 Namen.
Kurze Pausen,
erstickt im Strom der Tränen.
Deine Küsse vergangener Wochen
und Lächeln und Liebe
und voll sein mit dir,
nur dir,
füllt die Strophen.
Doch verglichen mit all der Sehnsucht
Im Inneren eines zerissenen Ichs…
Nur leere Worte.
Nur tote Sätze.
Die große Nacht sieht mich mit
feuchten Augen an,
und stimmt,
nach und nach,
mit ein.
Einsamkeit,
schlimmer als all die gefallenen Worte -
und so verfälscht sich
das ganze Alleinsein
in kaum merkliche Verse,
die dein Gesicht zeichnen.
Ich vermisse dich.
Halte mich,
wie am ersten Tag,
und liebe mich,
bis zum Letzten.
Ohne dich
bin ich nicht.
Und ohne dein Wiederkehren
kann ich nicht werden.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Entwicklungsdoping II

So wie wir ständig versuchen, alles in Raster und Stufen zu ordnen, Freund und Feind, Streit, Reaktion und Aussprache, Beziehungen, Annährungen und Entfernungen und so viel anderes, versuche ich dies mit dem Leben und den Ereignissen an sich, um so einen Weg zu finden einzelne Herausforderungen leichter zu bewältigen.
Ich habe mir heute auf dem Nachhauseweg vorgestellt, dass das Leben ein konstant geführter Dialog wäre, in der das Leben uns Fragen stellt und wir dann etwas zu entgegnen haben. Doch was passiert, wenn man falsch antwortet oder einfach gar nicht antwortet? Das Gespräch kann in diesem Fall nicht von allein abbrechen, man wird uns so lang mit Fragen vollpumpen, bis wir zerplatzen wie überreife Kirschen.
Ständig stellt man mir Fragen, die ich nicht verstehe. Ich verhalte mich so als wäre es ein Dialog mit einem Menschen, ich versuche einfach eine Universalantwort zu benutzen, in der Hoffnung, es wird nicht weiter drauf eingegangen. Doch das Leben ist verzogen, anspruchsvoll, verwöhnt. Es nimmt so etwas nicht hin, es scheint Phrasen nicht zu dulden und halbherzige Floskeln akzeptiert es nicht. Es fordert und fordert, und während wir noch überlegen was auf die eine Frage zu antworten ist legt man uns den nächsten Fragebogen vor. So wird man mehr und mehr überrollt und das ist sicherlich auch der Grund, warum wir beginnen, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir halten uns an Menschen fest, weil wir nicht den Mut haben uns auf eine Kompatibilität einzulassen, die wir von Anfang an hatten. Wir treffen Entscheidungen und machen Feststellungen obwohl sie schon die letzten 10 Jahre vor uns lagen. Wir misstrauen plötzlich Menschen, die uns ein Leben lang zu belügen pflegten. Wir landen in Schluchten, die wir schon aus mehreren Jahren Entfernung sahen – als würde sich ein Geisterfahrer die entgegenkommenden Autos wegreden.
Den schlimmsten Fehler macht man, indem man mit einer Gegenfrage antwortet, denn das erwartet der Fragensteller nie, und logischer Weise weiß er nie, wie er reagieren soll auf diese undenkbare Option. Und beginnt man nun, die Fragen an das Leben zu stellen steht man allein da, vor einem schweigenden Etwas, dass sich immer mehr entfernt und auf Abstand geht, bis es uns mit uns allein lässt. Und wenn man selbst Fragensteller und Beantworter der eigenen Fragen wird, beginnt man, ein Karussell anzustoßen, dass man nicht stoppen kann und bei dem jeder Absprung tödlich endet.

Montag, 25. Oktober 2010

Patentierte Unerfahrenheit

In meiner trostlosen Heimatstadt ist es gerade bei diesem trostlosen Wetter schwer, nicht der allgemein herrschenden Stimmung zu verfallen, von „übermüdet – frustriert“  bis hin zu emotionalem Muskelkater durch krampfhaften Optimismus. Wie aussichtslos kann es noch werden, wenn selbst Präventivmaßnahmen schon zum eigentlichen Unglück führen?
Und trotz dieser belastenden Kollektivstimmung schwelge ich in einer Wolke aus Nostalgie, denn das Jahr ist bald um und der Lebensgeist von 2010 ist beinahe ausge- und erschöpft. Es ist auffällig, dass ich neben den schönen Partys, Bekanntschaften und Momenten größtenteils an das denke, was ich verbockt habe. An die großen und kleinen Fehler, meinerseits und andererseits. So penetrant es ist, immer wieder Fehler zu machen so schockt mich viel mehr die erneute Erkenntnis dass man immer wieder dieselben Fehler begeht, und dies immer wieder erkennt und immer wieder nicht zu verhindern scheint. Hierzu lässt sich das Erkennen sich wiederholender Fehler der engen Freunde addieren und nun  nach Jahren derselben herzzereißenden Tragödien würde ich gern ein Patent auf meine Fehler erteilen.
Das Leben ist ein Lernprozess, soweit so gut. Als Baby/ Kleinkind  haben wir die einschneiden Erlebnisse „Hand auf der Herdplatte“, „Erde in den Mund stecken“ und „diverse Dinge zerreißen, beschmutzen und unbrauchbar machen“ gehabt. Und nach alledem erfuhren wir eine Bestrafung durch die Eltern oder durch das Getane an sich und speicherten so in unserem Langzeitgedächtnis, dass wir sie nicht wiederholen sollten.
Und es hieß immer, durch dieses Phänomen entwickeln wir uns weiter. Doch was ist nun, was ist mit dem postentwickelten Endprodukt auf dem Laufband der Erfahrungsmaschinerie?
Wir begehen stets dieselben Fehler, erhalten wie gehabt die Bestrafung und dann – tun wir sie wieder. Haben wir den Schmerz lieben gelernt, oder haben wir uns hassen gelernt? Wann lernen wir, die Hand aus dem Feuer und die falschen Worte  in den Mund zu nehmen und warum endet es immer darin, dass wir Herzen zerreißen, Erinnerungen beschmutzen und zwischenmenschliche Beziehungen unbrauchbar machen?
Warum setzt unser Gedächtnis hier aus? Ist es der klassische Mentalmechanismus, Schmerzliches zu verdrängen und eigene Fehler auszublenden, nicht anzuerkennen – ja, sogar zu ignorieren und als korrekt zu bezeichnen? Wie kann man dem entgegenwirken? Denn auch wenn diese Fehler von mal zu mal begangen werden und von mal zu mal Menschen verletzt werden, wobei der Weg dorthin immer wieder in Vergessenheit gerät, nervt das „danach“ von mal zu mehr. Jedesmal denkt man die gleichen Gedanken, spricht dieselben Worte, schreibt die gleichen Sätze, verbraucht dieselbe Taschentuchmarke, raucht dieselbe Zigarettenmarke, hört dieselben Lieder, nervt die gleichen Leute, fragt dieselben Fragen und hat dieselben Enderkenntnisse – um dann doch dasselbe Ergebnis zu erhalten.
Doch wie weit sollen wir diesen verdammten Weg noch gehen? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit umzukehren? Oder haben wir uns schon auf zu dünnes Eis gewagt, so dass die einzige Möglichkeit weitergehen ist - oder untergehen?

Mittwoch, 20. Oktober 2010

nAMEN unserer angst

Als ich heute auf die gmx.net Seite ging um meine E-mails zu checken war ich mit einer Schlagzeile konfrontiert, von der mich nicht einmal die vorbeiflimmernde Werbung des neuen Shia Labeouf Films  ablenken konnte: „Hat Google Gott fotografiert?“ Ich war sprachlos, und bin es noch. Anstatt diese Frage überhaupt zu stellen wäre es eben so paradox die Behauptung aufzustellen, man habe Gott fotografiert und er habe Sommersprossen. Ich konnte nicht anders, als den Artikel hierzu zu lesen – ich war doch zu gespannt, welche lächerlichen Thesen rund um dieses Bild noch aufgestellt wurden waren. Nach ungefähr 30 Sekunden des halb von Gelächter und halb von purem Schock begleitenden Lesens musste ich das erste Mal wirklich laut lachen. Zitat: „Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Internet-Gemeinden auf Facebook, Twitter und Co. Gerüchte machen die Runde, dass es sich dabei um ein Foto von Gott und einem Begleiter handeln könnte. Andere vermuten, dass es nur ein Fleck auf der Linse ist."  Da wird schon eines der größten und bestverkauftesten Hirngespinste der Menschheit tatsächlich einmal als zu beweisen bezeichnet und dann ist es am Ende doch nur ein Fleck auf der Linse – welch schöne Metapher zum christlichen Glauben.
Das Bild wurde auf einer Schweizer Autobahn aufgenommen. In dem Artikel wird sogar das Wort „Verschwörungstheorie“ aufgegriffen. Als ob nicht Staat und Macht und Geld (und ja auch Bullenschweine ;) ) uns genug versuchen aufzutischen und als glaubwürdig zu verkaufen – wird jetzt plötzlich das Thema „Gott und die Welt“ wieder aufgegriffen und groß publiziert, eine Thematik aus der man sich größtenteils heraushielt? Ja jetzt könnte man lachen, von wegen groß herausgehalten. Es wird in Deutschland nicht erwartet gläubig zu sein, ich arbeite in einem kirchlichen Kindergarten und man würde lachen wenn man wüsste ein wie geringer Prozentsatz der Kinder zu Hause tatsächlich Tischgebete praktiziert oder – um Gottes Willen – Gott als realistische Option für die Schaffung der Welt betrachtet. Tja, selbst auf Kinder wirken 5 Meter hohe Echsen eben realistischer als alter Mann mit Rauschebart – der Weihnachtsmann ist da einfach beliebter.
Manche müssen Kirchensteuer zahlen ohne gefragt zu werden ob sie gläubig sind – ok, das ist aber nur der Abschnitt des Themas Kirche der unter „finanzieller Unterstützung“ (*räusper*) läuft. Es wird einfach mal verallgemeinert, eine uniformierte Erwartung an den Glauben. Ist es nur eine Strategie um das Kollektivitätsgefühl wiederherzustellen, dass zwischen geographischer Wiedervereinigung und mentaler Klassentrennung verloren ging? Soll eine solche fiktive Mahlzeit aus der Gerüchteküche der Medien zum Nachdenken anregen oder sollen wir ermahnt werden, endlich an etwas zu glauben?
Doch woran soll man gegenwärtig bitte glauben? Gott? Nein die Frage war ernst gemeint. Das soll keineswegs diskriminierend gegenüber gläubigen Menschen sein, nein. Doch bei Angst vor Krankheit glaubt man an Medikamente bzw. die Krankenversicherung, bei Streit an Telefon und SMS, bei Stress an die Psychotherapie und bei Einsamkeit an Schnulzfilme, Vibratoren und Alkohol.
Doch was bitte soll die rettende Boje in unseren Zeiten sein, in den Zeiten voller Angst vor Bildzeitung, Merkel, Krieg und Geld?

Sonntag, 17. Oktober 2010

Der Weg ist zu viel

Wir werden ständig mit unserer Vergangenheit konfrontiert und sind gezwungen uns mit ihr auseinander zu setzen. Dies kann in verschiedenen Situationen auf verschiedene Arten geschehen. Und es ist meistens auf dieselbe Art penetrant; egal ob man sich gerade getrennt hat und jeder neue Tag ein Tabu ist, weil jeder Ort, jedes Lied, jede Phrase an den Verflossenen erinnert, oder ob man unzufrieden ist und versucht sich an der Vergangenheit, an besseren Tagen, zu orientieren. Aber wo soll das hinführen? Doch welche Erfolgsquote hat das Beschreiten eines Weges, dessen Wegweiser hinter einem stehen?
Eine angenehmere Art der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist das Treffen eines lieben Menschen aus vergangenen Tagen. Eine gute Freundin meinerseits kam zu Besuch, spontan 8 Uhr abends. Sie war gerade aus einer Beziehung heraus direkt in die Heulkrämpfe hinein gerutscht und saß nun vor mir, unschlüssig darüber, wie sie die Situation aushalten solle. Ich kam nicht umhin, Vergleiche zu ziehen. Sie wollte ihre Vergangenheit um jeden Preis zurück, ihre alte Beziehung wiederholen, während ich, bisher ergebnislos, versuchte, meine letzte Beziehung ungeschehen  zu machen.
Die Wege die wir versuchen zu beschreiten, sind in beiden Fällen Rondelle. Wir vermuten hinter der nie endenden Ecke einen hilfreichen Wegweiser, obwohl wir in uns wissen dass wir den Kreis einfach verlassen sollten.
Meine Freundin hatte sich aus einer Beziehung losgesagt, in der sie sich die meiste Zeit unverstanden und missachtet gefühlt hatte. Die Beziehung davor beendete sie auch, und verzichtete aufgrund unüberwindbarer finanzieller und emotionaler Differenzen auf einen Mann, der sie vergötterte, ihr zuhörte. Toller Sex, tolle Gespräche, scheinheilige Trennungsgründe – und trotzdem ist die Beziehung im Rückblick bipolare Langeweile.
Ihre nun gerade beendete Beziehung führte sie mit einem Menschen, der aufgrund seiner Arbeit nie Zeit hatte, und in der verbliebenen Zeit schaffte er es nicht, sie weder sexuell noch emotional (noch auf eine andere denkbare Art und Weise) zufrieden zu stellen, und wie ich das als Betrachterin von außen verstehe, bemühte er sich auch nicht diesen Zustand zu ändern. Als sie ihm schreib, sie bereue ihre Entscheidung, antwortete er nur es sei nun zu spät um umzukehren. Was für ein sensibler Mensch!!!
Hat der Mann ohne Seele Recht? Kann man gegangene Wege, so schön sie waren, nie erneut beschreiten? Das hieße, dass meine Meinung, aufgewärmte Beziehungen seinen unnütz, berechtigt wäre. Andererseits heißt das auch, das Verhaltensmuster, Taktiken und Erfahrungen die man in der Vergangenheit angenommen hatte auch keine Gehhilfe auf neuen Wegen sein könnten. Heißt das, wir brauchen für jeden neuen Lebensabschnitt neue Wegweiser?
Eine andere Bekanntschaft meinerseits hatte in Vergangenheit und Gegenwart immer und immer wieder eine alte Liebe zur einzig wahren erklärt: Chemische Drogen. Und nun nach vielen Jahren der immer wieder erneut heraufgeholten Vergangenheiten, dem wieder- und wiederaufstellen alter Wegweiser, hatte sie es eben durch diese geschafft, sich von ihrer sich immer wieder neu wiederholenden Vergangenheit loszusagen und war clean, nachdem sie sich ein letztes Mal auf Droge mit ihrer Sucht auseinandersetzte.
Soll das nun der Schlüssel zu meiner Beziehungsunlust sein? Sollte ich auch noch einmal von meiner verhängnisvollen Abhängigkeit (ignorante, arrogante, gutaussehende und scheinbar fürsorgliche Männer) Gebrauch machen, um mich eben von dieser zu lösen? Sind Arschlöcher eine der schlechten Angewohnheiten der Frau, gleich nach Unstetigkeit und Fingernägelkauen?
Warum weint meine Freundin denn dem Mann hinterher, der faktisch gesehen selbst im Land der männlichen Arschlöcher eine Rarität ist, wobei es so einfach war über den netten fürsorglichen Typen hinwegzukommen?
Immer wieder tun wir sie uns an: Egoistische Männer deren Ego weit größer ist als unser Wille ihre Selbstfixierung zu akzeptieren. Doch sie sind es nun mal immer – es scheint tatsächlich die traurige Realität zu sein, dass gutes Aussehen, Charme und Faszination unsere Wegweiser aus dem Boden reißen und wir über kurz oder lang vergessen, wohin wir eigentlich gelangen wollten……

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gestört oder gesund?

Ich war auf dem nach Hause Weg und stellte die typischen Fragen aller psychisch verwirrten und emotional hungrigen Fragenstellern: Warum ist es wie es ist? Bin ich dran Schuld? Ist es gut so, oder schlecht? Lässt es sich ändern, wenn ja, wann ist es endlich soweit? – Und stoppte plötzlich. Warum stellen wir uns eigentlich immer wieder  die gleichen beknackten Fragen, stoßen wieder und wieder auf den ausgeschöpften Kessel mit Antwort, dessen Inhalt das Gefäß voller Pseudohoffnung zum überschwappen bringt?!
Ich stelle mir nach verdammten 1460 Tagen voller Enttäuschung über konstanten Erkenntnismangel immer noch dieselben Fragen! Ich höre seit Jahren am Telefon dasselbe Augenrollen und dieselben Standpauken von meiner besseren Hälfte, ich rätsele seit Jahren ob es nun zu meinem Vorteil ist allein zu sein oder nicht.
Warum haben wir ständig emotionale De-ja-vús? Im Dialog mit sich selbst steht man immer wieder vor dem eigenen ratlosen Ich, das uns keinen Weg weisen kann - nachdem es aber ohne zu fragen begonnen hat diesen zu gehen.
Sind wir festgefangen in diesem immer wieder kehrenden Kreislauf aus Glückseligkeit, Streben nach noch mehr und tierisch schmerzhaftem Aufschlagen auf dem allseits bekannten Boden der Tatsachen?
Laut dem buddhistischen Glauben wird man immer wieder geboren – die Form der Reinkarnation hängt davon ab, was man sich im vergangenen Leben geleistet hat. Ist es bei zwischenmenschlichen Beziehungen dasselbe? Müssen wir so lang an der gleichen Stelle stolpern bis wir lernen sie zu überwinden? Das Problem in diesem Lernprozess wäre, dass sich durch das ständige Treffen neuer Menschen mal für mal neue Probleme auftun, mit denen man lernen muss umzugehen. Ist das Leben denn tatsächlich ein Parcour voller zu überwindender Hindernisse, die sich uns dann in den Weg stellen wenn wir meinen uns ausruhen zu müssen? Oder sind diese Hindernisse nötig um zu verstehen worum es geht? Oder noch viel schlimmer: Existieren diese Hindernisse gar nicht und wir erschaffen sie uns selbst, aus dem einfachen Grund sonst zu glücklich zu sein? Diesen Eindruck hab eich allerdings: In einer guten Freundschaft beispielsweise geschieht es oft, dass einer von beiden den Vertrag bricht und sich in die mentale Intimität reinsteigert. In Beziehungen ist es dasselbe: Läuft es (endlich!) mal so richtig gut, dann beginnt man sich zu fragen, was wohl nicht stimmt, wann Probleme auftauchen, wo sie sich verstecken. Manche tun das in dem Wissen das diese da sind, lassen sich jedoch nicht unterkriegen und kämpfen dagegen an, andere lassen diese Dinge auf sich zukommen und lassen dies auch so oft geschehen bis sie davon ausgehen dass diese immer existieren – Willkommen bei Optimist vs. Pessimist. Sind wir denn nun alle Optimisten weil wir versuchen trotz der Probleme weiterzumachen? Oder sind wir Pessimisten weil wir uns die Probleme hierdurch ständig vor Augen führen?
Wollen wir glücklich sein, oder suchen wir diese Fehler? Könnten wir uns tatsächlich damit abfinden, gesetzt den Fall alles wäre makellos perfekt und harmonisch (je nach den eigenen Vorstellungen hiervon)?
Manchmal denke ich dass es in der menschlichen Natur liegt, beschäftigt  werden zu wollen. Und wie immer ist der Mensch so extrem, dass er selbst sein Glück in Frage stellt, nur um etwas zu tun zu haben. Aber naja, allein ist es eben langweilig. Und allein und glücklich ist es eben „gestört“….. oder gesund?

Montag, 11. Oktober 2010

Phantomschmerz

…und schon wieder einen Tag krank gemacht. Die Erkältung kam ganz plötzlich. Sonntagabend setzte der Schnupfen ein und heut morgen hatte ich das Gefühl, mein Rachen hätte einen neuen Mietvertrag unterschrieben und wollte aus mir herausplatzen. Der Tag war gar nicht so schlecht, denn ungefähr eine Stunde nach dem Mittagessen beruhigte sich mein Körper und ließ mir ein paar wenige Stunden um den Tag sinnvoll zu nutzen. Ich tat das, was beim Herumschauen am sinnvollsten erschien: Aufräumen. Zugegeben ist dies nicht meine Lieblingsbeschäftigung, doch ab und an ist es nötig – allein aus Angst, man bekomme doch unverhofft Besuch und müsse sich dann einige beschämende Rechtfertigungsversuche herausquälen. Also begann ich, nicht wie üblich den Dreck von einer Ecke in die andere zu schleppen, sondern ihn wirklich auszusortieren und einzuräumen. Dabei erinnerte ich mich an die einzige Freude beim Aussortieren des Krams der sich seit unserem Einzug im Jahre 2005 angehäuft hatte – das Wiederfinden verlorenen geglaubter oder bereits vergessener Dinge. Beim Aufräumen fiel mir auf, dass man nicht nur Erinnerungsstücke aussortiert und wegschließt, nein, parallel tut man dies mit der dazugehörigen Erinnerungen. Man findet einen Brief, ein Foto oder etwas Ähnliches, sieht es kurz an, besinnt sich auf die mehr oder (des Öfteren) weniger schöne Zeit und verfrachtet es in den Müll, in meinem Fall in die 30 Liter Kiste, die bereits einen neuen Platz im Keller hat.
So fand ich viele Briefe einer ehemaligen Freundin, die ich fast nur in Bild und Schrift kannte, da ich sie nur 3mal traf. Ich las die Neuigkeiten über ihren „neuen Freund aus der 10.“ und musste schmunzeln. Dann fand sich das Bild einer Exliebe, welches tatsächlich im Müll landete. Zum Einen weil die Erinnerung nicht die Beste war, zum Zweiten weil ich eh schon genug Zettelkram habe und irgendwo müssen die Abstriche ja beginnen und zum Dritten da dieses Bild eh nicht das Schönste von ihm war und bereits zusammengeknüllt hinten im Schrank lag.
Ich bemerkte beim Aussortieren eine ziemliche Erleichterung, obwohl dies alles bereits genutzte, bereits überstandene und zum größten Teil verarbeitete Erinnerungen waren – doch das erneute „ins-Bewusstsein-rufen-und-wieder-abhaken“ schien mir doch eine gewisse Restlast von den Schultern zu nehmen.
Alle Menschen die uns täglich begegnen, die wir kennen, lieben und hassen, tragen unsichtbare Lasten mit sich, egal ob es Erinnerungen sind oder gegenwärtige Zustände. Diese emotionalen Rückenschmerzen können verschieden Gründe haben, sei es die Belastung durch die momentane Beziehung und den Versuch diese aufrechtzuerhalten, sei es das langsame Keimen unbekannter Gefühle oder einfach nur der alltägliche Stress der auch noch Säcke voller Frustration hinter sich zieht. Manche dieser Lasten lassen sich abwerfen, andere haften ein Leben lang an uns. Manche schmerzen die ganze Zeit, manche machen sich nur in unpassenden Momenten bemerkbar und manche laufen auch unmerklich neben uns und verhöhnen uns nur ab und zu. Doch wie sind jene Lasten zu handhaben, die wir als solche wahrnehmen, die aber eigentlich nur kurzzeitige Wegbegleiter sind, ohne Bedeutung, ohne Konsequenz – was ist mit den Erinnerungen die nur einen Phantomschmerz hervorrufen? Gibt es wirklich Dinge, die schon längst von uns abfielen, an denen wir aber aus verschiedenen Gründen nach wie vor festhalten? Oder sind alle Geschehnisse, ist alles was uns beschäftigt wirklich wichtig, was hieße, dass möglicherweise alle Dinge etwas zu bedeuten haben. Für jene von uns, die an das Schicksal glauben ist dies eine Selbstverständlichkeit, doch die Skeptiker, wie ich es bin, hoffen stets darauf dass alle Schmerzen nur Restschmerzen bereits verlorener Erinnerungen sind und auch dieser vom Wind neuer Tage weggetragen wird….

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Irritationen

Wie irritierend. Ich sitze zu Haus, höre David Bowie und habe rein gar nichts zu tun. Kein aufwaschen, kein aufräumen, kein auf- und abregen. Während meine Mutter zu „We can be heroes“ durch den Raum tänzelt denke ich über Helden nach. Beim Prinzip des Helden geht es doch um die Stärke des Menschen als einzelner. Warum heißt es dann in allen Liedern, Geschichten etc. „We are…..“? Sind wir denn, oder bin ich? Hatten nicht alle Helden  ihre treuen Begleiter ohne die sie keinen Meter zu laufen gewagt hätten? Seinen es Luke Skywalker und Han Solo, Bonnie und Clyde oder Faust und Mephisto?
Sind die Menschen denn nun eigentliche Einzelgänger die einfach nur die Gesellschaft anderer Einzelgänger schätzen oder sind wir nur getrennte Kollektive die wieder zueinander finden möchten? Wir alle wollen, ob allein oder nicht, unsere Autonomie. Wir wollen auch im Zusammensein nicht unsere Einzigartigkeit verlieren und unsere Individualität um jeden Preis bewahren. Ob wir das nun versuchen, indem wir uns querstellen und uns voller schlechter Vergangenheitserinnerungen und blasser Zukunftsvisionen bepackt auf einen Egotrip durch die Facetten von Einsamkeit begeben oder uns einfach vom Strom der uniformen Individualitätsgezeiten mitreißen lassen – am Ende merken wir doch, dass beide Reisen sich allein nicht lohnen. Aber was denn nun, allein oder allein mit jemandem?
Wiegt man die Vorzüge und Nachteile auf, ist es letztendlich doch egal, ob man mit der Angst lebt für immer allein zu sein oder mit der angst das gegenüber zu verlieren, mit der Zufriedenheit lebt ganz man selbst zu sein oder ein halbes Wir oder ob man auf jene eifersüchtig ist die allein und sorgenfrei oder liiert und sorgenfrei sind.
Doch hierbei sollte man andere Begleiter auf der Reise durchs Ich nicht missachten. Denn neben allen klebrig süßen Pärchen und jeglichen heißblütigen Liebhabern stehen immer die guten Freunde, die, die sich alles anhören und es mehr oder weniger mit- und nachempfinden können. Diese Gruppe Menschen ist mir in meinem Universum am liebsten. Nicht die Freunde, die erzählen und erzählen lassen oder jene, die von sich behaupten die besten Freunde zu sein und gerade erst gelernt haben, das Wort zu buchstabieren…..nein, die Menschen die über meinen schwachsinnigen Humor lachen können, meine Macken akzeptieren und aushalten, selbst wenn sie sie nicht verstehen, die Leute die Sprunghaftigkeit verzeihen, deren Geburtstag ich mir nicht merken muss und die mich trotzdem lieben. (jene sollten sich in diesen Aussagen wiedererkannt haben ;) )
Denn am Ende ist auch der klügste Kopf und der klarste Verstand für sich allein ohne Zeitvertreib und Sinn auf dieser Welt und auch die Einsichten klardenkender Beziehungloser möchte ebenso geteilt werden wie die der verblendeten „Wirs“.

Montag, 4. Oktober 2010

Entwicklungsdoping I



In den letzten Tagen habe ich darüber nachgedacht, wie ich es endlich schaffe mich mal um mich zu kümmern. Nach allem Auf- und Abwiegen forderten die Überlegungen die naheliegendste Lösung: Egoismus. Doch wie soll ich das bitte schaffen? Gerade ich, die das Therapieren gerngekannter Menschen ihr liebstes Hobby nennt, die im Falle der kleinsten Verliebtheit das Handtuch vor der Selbstachtung wirft und diese einfach nackt und zitternd dastehen lässt? Ich versuche mir beim eigenen Wandel von "eigentlich ok" zu "viiiiel zu umständlich aber nöig" immer ein Beispiel an allen inspirierenden Menschen zu nehmen. Also es gibt die Art Egomanen, die eigentlich nicht egoistisch sind aber durch gewisse Katalysatoren wie z.B., Alkohol oder einfach nur Adrenalin dieses Wissen über Bord werfen und damit den Menschen das Genick brechen, die nur so unwissend im Wasser treiben und garnicht ahnen, dass der Kutter neben ihnen nicht nur geladen ist sondern noch den ein oder anderen egoistischen Vorwurfstorpedo abzufeuern bereit ist.
Diese Art Egoismus ist allerdings nicht die Konsequenteste, und wenn ein Kapitel der Egoismusbibel wichtig ist, dann absolute Konsequenz. wie viele gute, sympathische aber aus Selbstärgernis gewählte Egomanen sind daran gescheitert, im entscheidenden Moment nachgelassen zu haben. Man darf den Egomanie-Grund vergessen, man darf die Egoismus-Opfer vergessen, die unfairen Mittel, selbst die eigenen verdrängten, mit Egoismus überschminkten Fehler - aber niemals sich selbst.
Eine andere Art Egoist ist der Schlag Mensch, der sich - wie schön - niemals vergisst, darüber hinaus jedoch alle anderen Menschen und zwar nicht nur in Momenten in denen die Egomanie siegt, sondern generell und so verbohrt werden, dass dies zum Dauerzustand wird. Hat aus meiner Perspektive das Defizit, dass ich dann der Therapie-Begierde nicht mehr fröhnen durfte.
Die goldene Drei in dieser Reihe der selbstbezogenen Clowns im Zirkus der emotionalen Krüppel sind jene Art Egomanen (und ich hasse sie!) die das großartige Grundpotenzial, praktisch das Talent zum Egoisten in die Wiege gelegt bekamen und es verschwenden, indem sie sich gegenüber nicht eingestehen wollen, solche Arschlöcher zu sein, und dann doch im Falle der Verletzung ihres Stolzes die Gleichsetzung mit einem ihrer egentlichen Art verlangen. Diese Art Mensch, der alles Gute dieser Welt mimt und dann trotzdem furchtbar eifersüchtig und rachsüchtig und auch noch stolz ist. Menschlich gesehen ist dies das Grundmodell jedes menschlichen Charakters - sich verdrängen und nur dann zulassen, wenn es einen Vorteil bringt. Doch aus der Sicht eines Egoisten in spé ist das einfach nur beleidigend.
Bald mehr zu diesem Thema.......

Sonntag, 3. Oktober 2010

Mehr oder weniger

Das Leben besteht nur aus Codes. Täglich versuchen wir, die Codes verschiedener Menschen zu entschlüsseln und stellen dabei immer wieder fest, dass es bei manchen Menschen leichter und bei anderen schwerer ist – einfach aus dem Grund, dass sich das zu entschlüsselnden Material oftmals quantitativ unterscheidet.
Die Lücken in diesen Strängen verschiedenster Charaktereigenschaften sind eben bei manchen Menschen gröber. Das bedeutet im Grunde dass die Menschen sich in grob- und feinmaschig unterscheiden lassen, in durchsichtig und undurchsichtig.  Manchmal hat man das Problem, dass die Durchsichtigkeit des Gegenübers schnell langweilt und man am Versuch scheitert, kleinere Windungen und feineres Gewebe zu finden.
Meiner Meinung nach ist dies ein geringeres Problem, denn Probleme  oder Sympathiefänger an Menschen zu finden, die man sofort durchschaut, ist nicht schwer – man weiß, wo man suchen muss. Die undurchsichtigen Menschen – sie sind aus dem Stoff gemacht, an dem man sich sprichwörtlich die Zähne ausbeißt. Hier muss man sich gegenüber kein Interesse heucheln, nein, im Gegenteil.  Man steht in einem Labyrinth aus Vermutungen, nichtwissend ob hinter der nächsten Ecke nur ein enttäuschend großes Ego steht oder ob man tatsächlich wieder an einer Weggabelung steht die in hunderte Richtungen führen, tausende Fragen zulässt und keine Vermutung ausschließen lässt. So bildet sich ein perpetuum mobile aus Theorien und Unsicherheit. Was tun? Woher wissen wir nun, ob sich der Weg lohnt, oder ob wir da vergebens etwas suchen, was gar nicht da ist?
Manche Menschen wirken furchtbar feinmaschig, vielseitig und sind am Ende doch nicht mehr als Menschen. Hierbei kann ich die Frage nicht von mir schieben, zu welcher Art Mensch ich mich zählen lasse……und wer in mir mehr sieht und wer weniger, wer zu viel und wer zu wenig.

Samstag, 2. Oktober 2010

Single Island

In der Beziehung zwischen mir und meiner besten Freundin zeigte sich über all die Jahre ein sich stets wiederholendes Muster: Bei unseren Gemütsregungen verhielt es sich immer wie mit 2 gleichen Magnetpolen. Wenn ich mit tiefstem Herzschmerz zu Haus saß und schmachtend in einem Haufen Taschentüchern zerfloß, konnte ich sichergehen, sie saß platzend vor Glück zu Haus, eine Lebensabschnittsbgleitung an der einen Hand, ein schönes Bier in der anderen und eine Platte voller verführerischer Musik im CD-Player. Und dieses Hin und Her funktionierte immer sehr gut, es ergänzte sich perfekt. Einer hatte immer die nötige Motivation und Bereitschaft dem anderen (depressiven) Part zuzuhören und wenn wir nicht immer die Zeit füreinander hatten, nahmen wir sie uns.
Heute stellten wir geschockt fest, dass wir beide in der gleichen tiefen Schlucht feststeckten, und keiner von uns in der Lage war, die helfende Leiter zum Herausklettern zu organisieren.
Wir beide hatten den jährlich eintretenden Wandel von zufrieden-gleichgültig zu emotional aufgeschlossen - angepisst genossen - jedoch gleichzeitig! Wir saßen überfordert auf unbekanntem Land, ohne Karte, ohne Plan - gleichzeitig!
Solche Phasen folgen doch immer auf die Trennungszeit, erscheinen in geisterhaften Silouetten, verflüchtigen sich anschließend oder öffnen in unseren Köpfen Türen, deren Schlüssel sich zwischen dem Schwur, nie wieder zu fühlen und Hasspredigten auf alles Schöne verloren haben. So werden wir auf emotionales Neuland gestoßen. Dabei drängt sich mir jedes Mal die Frage auf: Wer führt uns durch Dieses? Und wieviel kostet es, den Durchblick zu kriegen? Und parallel dazu schleicht die Angst, zu viel von sich preisgeben zu müssen und wieder einen Teil von sich selbst auf der Insel "Single" zurücklassen zu müssen.
 Man kann es nicht leugnen, es kostet jedesmal Unmengen an Individualität, den großen Schritt vom "Ich" zum "Wir" zu wagen. Am meisten Charakter, Stolz und Selbstliebe verliert man, wenn man diesen Schritt zwar geht, aber erst danach bemerkt, dass man dabei den vermeintlichen Partner hinter sich gelassen hat oder viel besser, dieser den Schritt garnicht geplant hatte.
Doch wer sagt uns, wie viel es sich lohnt zu investieren, ab wann wir uns lächerlich machen und wie wir die Zeichen zu deuten haben bzw. ab welchem Punkt wir die Zeichen selbst zeichnen und zu erkennen behaupten?
Wann sollten wir einen Schritt nach vorn machen und ab wann ist es Zeit, den Rückzug anzutreten? 
Ob Arroganz dabei hilfreich ist, ist eine umstrittene Frage. Ich durfte kürzlich erst feststellen, wie anziehend sie sein kann, ich wurde sozusagen magnetisch angezogen, auf direktem Weg. Ich hoffe nur, dass ich hierbei nicht kleinen Zeichen folge, mich von der Single Insel wegbewege und versuche auf dem wasser zu laufen - und versinke.
Meine Freundin hingegen versucht gerade eine Art indirekte Anziehung zu bewirken: Sie versucht ein Feld um sich aufzubauen, das dazu zwingt sich zu nähern: Erst Abstoßen, um Anzuziehen.  
Und so stehen wir zwei auf einer Höhe, besessen von dem selben faszinierenden  Phänomen: Dem Verlangen, nicht allein zu sein. Und da wir beide reichlich ungeübt diesen Weg beschreiten kann man nur hoffen, dass die Wegweiser sich so selbstständig zeichnen wie die Ahnung von der Zukunft, die uns auf diesem Weg in größeren Schritten entgegenschreitet - in Schritten, deren Größe uns nicht nur ängstlich machen würden, sondern auch einsam.