Wir werden ständig mit unserer Vergangenheit konfrontiert und sind gezwungen uns mit ihr auseinander zu setzen. Dies kann in verschiedenen Situationen auf verschiedene Arten geschehen. Und es ist meistens auf dieselbe Art penetrant; egal ob man sich gerade getrennt hat und jeder neue Tag ein Tabu ist, weil jeder Ort, jedes Lied, jede Phrase an den Verflossenen erinnert, oder ob man unzufrieden ist und versucht sich an der Vergangenheit, an besseren Tagen, zu orientieren. Aber wo soll das hinführen? Doch welche Erfolgsquote hat das Beschreiten eines Weges, dessen Wegweiser hinter einem stehen?
Eine angenehmere Art der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist das Treffen eines lieben Menschen aus vergangenen Tagen. Eine gute Freundin meinerseits kam zu Besuch, spontan 8 Uhr abends. Sie war gerade aus einer Beziehung heraus direkt in die Heulkrämpfe hinein gerutscht und saß nun vor mir, unschlüssig darüber, wie sie die Situation aushalten solle. Ich kam nicht umhin, Vergleiche zu ziehen. Sie wollte ihre Vergangenheit um jeden Preis zurück, ihre alte Beziehung wiederholen, während ich, bisher ergebnislos, versuchte, meine letzte Beziehung ungeschehen zu machen.
Die Wege die wir versuchen zu beschreiten, sind in beiden Fällen Rondelle. Wir vermuten hinter der nie endenden Ecke einen hilfreichen Wegweiser, obwohl wir in uns wissen dass wir den Kreis einfach verlassen sollten.
Meine Freundin hatte sich aus einer Beziehung losgesagt, in der sie sich die meiste Zeit unverstanden und missachtet gefühlt hatte. Die Beziehung davor beendete sie auch, und verzichtete aufgrund unüberwindbarer finanzieller und emotionaler Differenzen auf einen Mann, der sie vergötterte, ihr zuhörte. Toller Sex, tolle Gespräche, scheinheilige Trennungsgründe – und trotzdem ist die Beziehung im Rückblick bipolare Langeweile.
Ihre nun gerade beendete Beziehung führte sie mit einem Menschen, der aufgrund seiner Arbeit nie Zeit hatte, und in der verbliebenen Zeit schaffte er es nicht, sie weder sexuell noch emotional (noch auf eine andere denkbare Art und Weise) zufrieden zu stellen, und wie ich das als Betrachterin von außen verstehe, bemühte er sich auch nicht diesen Zustand zu ändern. Als sie ihm schreib, sie bereue ihre Entscheidung, antwortete er nur es sei nun zu spät um umzukehren. Was für ein sensibler Mensch!!!
Hat der Mann ohne Seele Recht? Kann man gegangene Wege, so schön sie waren, nie erneut beschreiten? Das hieße, dass meine Meinung, aufgewärmte Beziehungen seinen unnütz, berechtigt wäre. Andererseits heißt das auch, das Verhaltensmuster, Taktiken und Erfahrungen die man in der Vergangenheit angenommen hatte auch keine Gehhilfe auf neuen Wegen sein könnten. Heißt das, wir brauchen für jeden neuen Lebensabschnitt neue Wegweiser?
Eine andere Bekanntschaft meinerseits hatte in Vergangenheit und Gegenwart immer und immer wieder eine alte Liebe zur einzig wahren erklärt: Chemische Drogen. Und nun nach vielen Jahren der immer wieder erneut heraufgeholten Vergangenheiten, dem wieder- und wiederaufstellen alter Wegweiser, hatte sie es eben durch diese geschafft, sich von ihrer sich immer wieder neu wiederholenden Vergangenheit loszusagen und war clean, nachdem sie sich ein letztes Mal auf Droge mit ihrer Sucht auseinandersetzte.
Soll das nun der Schlüssel zu meiner Beziehungsunlust sein? Sollte ich auch noch einmal von meiner verhängnisvollen Abhängigkeit (ignorante, arrogante, gutaussehende und scheinbar fürsorgliche Männer) Gebrauch machen, um mich eben von dieser zu lösen? Sind Arschlöcher eine der schlechten Angewohnheiten der Frau, gleich nach Unstetigkeit und Fingernägelkauen?
Warum weint meine Freundin denn dem Mann hinterher, der faktisch gesehen selbst im Land der männlichen Arschlöcher eine Rarität ist, wobei es so einfach war über den netten fürsorglichen Typen hinwegzukommen?
Immer wieder tun wir sie uns an: Egoistische Männer deren Ego weit größer ist als unser Wille ihre Selbstfixierung zu akzeptieren. Doch sie sind es nun mal immer – es scheint tatsächlich die traurige Realität zu sein, dass gutes Aussehen, Charme und Faszination unsere Wegweiser aus dem Boden reißen und wir über kurz oder lang vergessen, wohin wir eigentlich gelangen wollten……