In meiner trostlosen Heimatstadt ist es gerade bei diesem trostlosen Wetter schwer, nicht der allgemein herrschenden Stimmung zu verfallen, von „übermüdet – frustriert“ bis hin zu emotionalem Muskelkater durch krampfhaften Optimismus. Wie aussichtslos kann es noch werden, wenn selbst Präventivmaßnahmen schon zum eigentlichen Unglück führen?
Und trotz dieser belastenden Kollektivstimmung schwelge ich in einer Wolke aus Nostalgie, denn das Jahr ist bald um und der Lebensgeist von 2010 ist beinahe ausge- und erschöpft. Es ist auffällig, dass ich neben den schönen Partys, Bekanntschaften und Momenten größtenteils an das denke, was ich verbockt habe. An die großen und kleinen Fehler, meinerseits und andererseits. So penetrant es ist, immer wieder Fehler zu machen so schockt mich viel mehr die erneute Erkenntnis dass man immer wieder dieselben Fehler begeht, und dies immer wieder erkennt und immer wieder nicht zu verhindern scheint. Hierzu lässt sich das Erkennen sich wiederholender Fehler der engen Freunde addieren und nun nach Jahren derselben herzzereißenden Tragödien würde ich gern ein Patent auf meine Fehler erteilen.
Das Leben ist ein Lernprozess, soweit so gut. Als Baby/ Kleinkind haben wir die einschneiden Erlebnisse „Hand auf der Herdplatte“, „Erde in den Mund stecken“ und „diverse Dinge zerreißen, beschmutzen und unbrauchbar machen“ gehabt. Und nach alledem erfuhren wir eine Bestrafung durch die Eltern oder durch das Getane an sich und speicherten so in unserem Langzeitgedächtnis, dass wir sie nicht wiederholen sollten.
Und es hieß immer, durch dieses Phänomen entwickeln wir uns weiter. Doch was ist nun, was ist mit dem postentwickelten Endprodukt auf dem Laufband der Erfahrungsmaschinerie?
Wir begehen stets dieselben Fehler, erhalten wie gehabt die Bestrafung und dann – tun wir sie wieder. Haben wir den Schmerz lieben gelernt, oder haben wir uns hassen gelernt? Wann lernen wir, die Hand aus dem Feuer und die falschen Worte in den Mund zu nehmen und warum endet es immer darin, dass wir Herzen zerreißen, Erinnerungen beschmutzen und zwischenmenschliche Beziehungen unbrauchbar machen?
Warum setzt unser Gedächtnis hier aus? Ist es der klassische Mentalmechanismus, Schmerzliches zu verdrängen und eigene Fehler auszublenden, nicht anzuerkennen – ja, sogar zu ignorieren und als korrekt zu bezeichnen? Wie kann man dem entgegenwirken? Denn auch wenn diese Fehler von mal zu mal begangen werden und von mal zu mal Menschen verletzt werden, wobei der Weg dorthin immer wieder in Vergessenheit gerät, nervt das „danach“ von mal zu mehr. Jedesmal denkt man die gleichen Gedanken, spricht dieselben Worte, schreibt die gleichen Sätze, verbraucht dieselbe Taschentuchmarke, raucht dieselbe Zigarettenmarke, hört dieselben Lieder, nervt die gleichen Leute, fragt dieselben Fragen und hat dieselben Enderkenntnisse – um dann doch dasselbe Ergebnis zu erhalten.
Doch wie weit sollen wir diesen verdammten Weg noch gehen? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit umzukehren? Oder haben wir uns schon auf zu dünnes Eis gewagt, so dass die einzige Möglichkeit weitergehen ist - oder untergehen?
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