Dienstag, 26. Oktober 2010

Entwicklungsdoping II

So wie wir ständig versuchen, alles in Raster und Stufen zu ordnen, Freund und Feind, Streit, Reaktion und Aussprache, Beziehungen, Annährungen und Entfernungen und so viel anderes, versuche ich dies mit dem Leben und den Ereignissen an sich, um so einen Weg zu finden einzelne Herausforderungen leichter zu bewältigen.
Ich habe mir heute auf dem Nachhauseweg vorgestellt, dass das Leben ein konstant geführter Dialog wäre, in der das Leben uns Fragen stellt und wir dann etwas zu entgegnen haben. Doch was passiert, wenn man falsch antwortet oder einfach gar nicht antwortet? Das Gespräch kann in diesem Fall nicht von allein abbrechen, man wird uns so lang mit Fragen vollpumpen, bis wir zerplatzen wie überreife Kirschen.
Ständig stellt man mir Fragen, die ich nicht verstehe. Ich verhalte mich so als wäre es ein Dialog mit einem Menschen, ich versuche einfach eine Universalantwort zu benutzen, in der Hoffnung, es wird nicht weiter drauf eingegangen. Doch das Leben ist verzogen, anspruchsvoll, verwöhnt. Es nimmt so etwas nicht hin, es scheint Phrasen nicht zu dulden und halbherzige Floskeln akzeptiert es nicht. Es fordert und fordert, und während wir noch überlegen was auf die eine Frage zu antworten ist legt man uns den nächsten Fragebogen vor. So wird man mehr und mehr überrollt und das ist sicherlich auch der Grund, warum wir beginnen, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir halten uns an Menschen fest, weil wir nicht den Mut haben uns auf eine Kompatibilität einzulassen, die wir von Anfang an hatten. Wir treffen Entscheidungen und machen Feststellungen obwohl sie schon die letzten 10 Jahre vor uns lagen. Wir misstrauen plötzlich Menschen, die uns ein Leben lang zu belügen pflegten. Wir landen in Schluchten, die wir schon aus mehreren Jahren Entfernung sahen – als würde sich ein Geisterfahrer die entgegenkommenden Autos wegreden.
Den schlimmsten Fehler macht man, indem man mit einer Gegenfrage antwortet, denn das erwartet der Fragensteller nie, und logischer Weise weiß er nie, wie er reagieren soll auf diese undenkbare Option. Und beginnt man nun, die Fragen an das Leben zu stellen steht man allein da, vor einem schweigenden Etwas, dass sich immer mehr entfernt und auf Abstand geht, bis es uns mit uns allein lässt. Und wenn man selbst Fragensteller und Beantworter der eigenen Fragen wird, beginnt man, ein Karussell anzustoßen, dass man nicht stoppen kann und bei dem jeder Absprung tödlich endet.

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