Mittwoch, 12. Januar 2011

PAARodie

Glück ist immer eine Frage der Perspektive. Vorteile werden, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, in Sekundenschnelle zu Hindernissen. Und beleuchtet man sie von den übriggebliebenen Seiten sind sie meistens wie 19jährige Mädchen: Durchschaubar, fehlerhaft und man kann sie nur für kurze Zeit genießen.
Es dauert nie lang, bis man auf die Klinge der Realität trifft, die uns von der Glückssträhne befreit, die uns die ganze Zeit vor den Augen hing und den Blick fürs Wesentliche verlieren ließ.
Da sind wir: Im Zeitalter, in dem es immer etwas zu meckern gibt. Der schönste Zustand fuckt uns zutiefst ab, nur beim Gedanken daran, dass er, egal wie schön, vergänglich ist. Zuverlässige Freunde werden zum Mythos, die große Liebe zum Epos und Harmonie schlichtweg zum pausenfüllenden Lacher.
Es sind kaum noch die bekannten charmanten Antworten auf unpassende Fragen übriggeblieben. Zu viel ist zu stressig, zu wenig deprimierend. Die unbekannt-bekannte „goldene Mitte“ schiebt immer ein „circa“ vor sich her, klare Ansagen und unpassende Wahrheiten scheinen nicht mehr zu passen, zu viele Menschen sind aus dieser Attitüde herausgewachsen. Alles dreht sich um sich selbst, Erwartung und Reaktion vervollständigen sich im geschrienen Oxymoron dieser Generation.
Und trotz dieser in den Weg geworfenen, allesversperrenden Hindernisse konfrontiert man uns mit Fragen wie: „Was denkst du?“, „Was tust du?“ und dem wirklich perversen Brechmittel „Und was ist mit Liebe?“
Hat man dann die Eier, seine (auf einem aus Erfahrungen gegossenen Fundament stehenden) Überzeugungen kund zu tun, tut es einem trotzdem Leid, denn die enttäuschten Mienen flößen einen Cocktail aus Reue und Frustration ein, der die so schwer erlangten narzisstischen Adern zu einer Fläche aus Selbstmitleid erfrieren lässt, auf dem die Optimisten mit deinem Ego Hockey spielen.
Bei dem ganzen Gesülze frage ich mich, wo bzw. was die Quelle dieser immer wiederkehrenden Hoffnung ist. Sind wir bezüglich der Facetten schöner Dinge farbenblind geworden oder sind Traumwelt und Leben so ineinander verschwommen dass keine realitätsverseuchte Linse im Spektrum pessimistischer Konstrukte eine klare Trennung vollziehen könnte?! Sind wir verzweifelt oder einfach nur müde?

Donnerstag, 6. Januar 2011

Parallel is? Muss!

Im Laufe der Zeit geschehen viele Dinge mit uns, ohne dass wir sie bemerken. Wir verändern uns, wir bilden Meinungen, Traumwelten, Realitäten – verschiedene Parallelwahrnehmungen die wir aufrufen, wenn wir sie brauchen. Momentaufnahmen des eigenen Ichs, die wesentliche situative Unebenheiten glätten sollen, um das Vorankommen oder auch Stillstehen zu optimieren.
Dabei werden wir immer wieder beeinflusst, von Orten, von Eindrücken und natürlich auch von Menschen. Bekannte Charaktere bescheren oft das Zurücktaumeln in Erinnerungen, die wir verdrängt haben oder es zumindest wollten. Sie rufen Emotionen wach, erinnern an Zufriedenheit oder jedoch an Wut und Verzweiflung und lassen einen Vergleich ziehen wer wir waren und wer wir immer sein wollten und doch nicht geworden sind.
Manchmal wecken aber auch bis dato unbekannte Personen Erinnerungen. Das sind entweder jene, die wir gern hätten, aber ausgeblieben sind oder ermahnen unsere innere Zensur, den Selbstschutz, die Verdrängung, Herausgestrichenes wiederherzustellen.
Manche lehnen solche ab und löschen die Nachricht auf dem AB der selbst heraufbeschworenen Amnesie.
Mich hingegen regen solche, wie so vieles, an, über mich nachzudenken. Meine Mutter zeigte mir vor einigen Wochen einen Aufsatz den sie lange vor meiner Geburt schrieb. Er beinhaltete ihre Vorstellungen der Person ihres zukünftig eventuell gezeugten, eventuell geliebten und definitiv durchgeknallten Sprösslings. Eine solche Auflistung gewünschter positiver Attribute fertigen wir selbst an. Täglich. Ohne es zu bemerken. Wie oft steht man dumm da und denkt sich „Hätte ich nur das getan/gesagt/entschieden/verhindert.“ Und immer wieder fällt mir auf, dass uns nicht nur die Dinge ausmachen, die wir getan haben, sondern auch jene die wir, mehr oder weniger unbedacht, gelassen haben.
Bestes Beispiel hierfür ist meine Mutter: Hätte sie die strapazierende, provozierende und äußerst unkoordinierte Abfolge chaotischer Sinneswandelungen meines Lebensabschnittes zwischen 13 und 17 überbewertet und mit der eigentlich erwarteten Strenge zu verhindern versucht, wäre ich heute nicht da wo ich bin. Und auch wenn diese Dimension mir manchmal missfällt bin ich doch, und das ist ausnahmsweise keine Ironie, ein Glanzstück meiner Generation bzw. der Folgenden. Obwohl dies zu beurteilen meine Fähigkeiten überragt meine ich doch sagen zu können, dass ich mich für mich selbst weit weniger schäme als für den Großteil der dummdreisten und selten dämlichen Masse Jugendlicher und Kinder, die die Straßen Deutschlands füllt.
Kinder sind hier mit genannt, weil der Übergang von Kind zu kindsköpfigem Jugendlichen einfach zu undeutlich geworden ist. Der Wortschatz ist beinahe identisch, der geistige Horizont fast unverändert und das Verlangen nach diesem endet schon beim morgendlichen Anpöbeln auf der Straße. Ich pöble für mein Leben gern, jedoch sträubt sich jede Faser in mir gegen kleine 12jährige Rotzer die einem frühs auf dem Weg zur Arbeit auf den Sack gehen mit Wortgewalten wie „Geile Alte“ oder „EEEEEEY Baby“.
Diese Charakterzüge tragen natürlich nicht ausschließlich alle „Teenager“, jedoch fängt es so an und endet dann viel zu oft mit Ignoranz und geistiger Leere, die ausschließlich durch schlechte Musik, dem Fernsehprogramm und ,naja, ich möchte keine Klischeeäußerungen nutzen, tu es aber trotzdem, der Interesse für BILD-Schlagzeilen begleitet wird.
Die Gespräche werden von hohlem Phrasengeklopfe verschluckt und der Horizont von stapelweise billig – überschätzten Lebensinhalten verdunkelt, was nicht einmal die durchschnittliche Alltagsschizophrenie zulässt – dem Erstellen genannter Parallenwahrnehmungen. Es ist absolut gesund, nicht alles zu hinterfragen, es ist gut zu feiern und einfach ab und an mal das blaue Bonbon zu schlucken um jegliche Peilung zu verlieren und die eigenen Vorstellungen als die einzig wahren aufrechtzuerhalten. Aber das Nichtwissen über das, was hinter dem Tellerrand liegt, ist dramatisch.
Der leichte Weg ist eben immer durch dicke Mauern gekennzeichnet, (Anti-) Orientierungsscheuklappen, was ihn für Außenstehende schwer zugänglich macht, jedoch an sich einfacher zu gehen ist. Der andere Weg lässt Farben zu, Worte, Inspiration. Der Stoff aus dem Psychosen und Genies gemacht sind. Der Witz dabei ist, dass beide Wege zum gleichen Ziel führen: An Erinnerungen, Reue und Stolz, menschliche Perversionen des biologischen Gleichgewichtes (sprich: Emotionen), kurz und knapp: An Urnen mit derselben Asche und Särge aus demselben, irdischen Holz – ganz unabhängig davon, was uns im Leben erleuchtet haben mag.