Freitag, 24. Mai 2013

Zeitlich begrenzte Unendlichkeit

Das Leben ist der Lauf der Dinge. Diese aus pseudomotivierenden, absturzabendlichen und gerade zu dejavúhaft erschreckenden Reden bekannte Floskel ist der Schlüssel, die verdammte Antwort. Die Zeit, das was wir als Zeit wahrnehmen, das Voranschreiten der Realität, das tatsächlich-traurige Nie-Stillstehen - genau das ist es. Lebensbewältigungstaktiken wie Verdrängen, Vergessen und Verstehen schöpfen ihren selbstzerstörerischen Antrieb aus der Zeit. Alle Energien wachsen an der Zeit, Motivation vergeht und entsteht neu, Verzweiflung erblasst und nach geraumer Zeit ist es gar nicht so schwer, dem abgeblätterten alten Ego, mit all seiner Zurückweisung und Enttäuschung, einen neuen Anstrich zu verpassen. Geschehnisse im Laufe der Zeit beeinflussen unser Denken, unsere Ansicht - Zeit macht alle Wunden. 
Schöne Zeit treibt uns voran in unbekannte neue Momente, an neue, strahlende Gesichter und mit dem Verstreichen der Minuten, Stunden, Tage gelingt es uns, in diese Farben einzutauchen und die Schatten zu sehen, alles was nicht vom Licht berührt wird, zu entdecken und beschert uns einen erschreckend realistischen Blick auf alte Muster, verblichene Fassaden und Abdrücke, Male - allem was im Laufe der vorbeiziehenden Zeit haften bleibt und immer wieder mehr oder minder schön überschminkt und abgedeckt wird.  
Tick, tick, tick. Die Zeit läuft. Sie ist unabhängig, selbstgerecht,  tatsächlich verantwortungslos. Jeder weiß das. Mit unschönem Beigeschmack lässt sich feststellen, wie subjektiv Zeit erlebt und genutzt wird. Mit jedem Vergleich zwischen mir und den Anderen wird die Spanne zwischen Lebzeit und gelebter Zeit deutlicher. Da macht die Selbstwahrnehmung oft nur halb so viel Spaß. Was auch immer schön ist, was auch immer erfüllt und belebt ... doch bleibt diese Euphorie nicht zwischen den Subjektivitäten stecken. Was schafft der Andere? Wie glücklich ist er, wie nutzt er die Chancen, die wir doch alle haben? Folgen vorantreiben und nicht von Trieben verfolgt werden. Etwas zu bereuen ist verzwickt, aber umso nötiger, denn aus Fehlern lernt man. Also lernen wir ein ganzes Leben und verpassen den Punkt, an dem wir aus der ganzen Scheiße einen Nutzen ziehen könnten. 
Soll man lieber das "waswärewenn"-Fenster schließen und konsequent bleiben oder doch mal wieder frische Luft atmen...? Wenn es schief geht tut das weh. Doch kommt die Zeit, kommt auch der Rat. Und der ist im Endeffekt affektiv und immer derselbe; dass es immer irgendwie weitergeht.

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