Es gibt Dinge, mit denen ich nicht klarkomme. Eifersucht zum Beispiel. Ich sage das bewusst so und nicht, dass ich eifersüchtig bin, denn ich glaube jeder Mensch ist eifersüchtig. Jeder trägt dieses Suchtpotenzial in sich. Manch einer kann damit umgehen, es gut sein lassen, entspannt bleiben. Manch einer ist diesbezüglich sogar so mit sich selbst im Reinen, dass es gar nicht juckt, dass ohne großen selbstkontrollierten Aufwand weitergelebt werden kann alá "dann eben nicht". Meinen Respekt haben die. Denn manch einer kann gar nicht damit umgehen. Der bewertet über, der steigert sich rein, der genießt zu gern um zu vergessen. Doch konsequent-erfolgreicher Widerstand gegen die Eifersucht heißt nichts als festes Egofundament und gute Pflege dessen. Wenn das doch mal angegriffen wird.....puh, unklares Gefühl oder? Aber das ist nur eine vielmals bestätigte Verallgemeinerung, auch Komplexmonster stärken sich an der Eifersuchtsresistenz, bestimmt.
Ich finde die generelle Wortwahl unpassend. Es ist ja keine Sucht nach Eifer - nicht mal im Sinne des Nacheiferns. Denn Eifersucht motiviert nicht zu Höherem, weckt nicht zum Eifer. Vielmehr drückt sie runter, zwingt zum resignierenden Schlaf der Uneifrigen, der Mitsichabgefundenen. Das Gefühl beschreibt eher einen Eiferentzug als eine Abhängigkeit.
Typisch abnervende Sprüche bei offensichtlich aufkeimender Eifersucht: "Naja aber das steht dir ja nicht zu" Oder auch schön: "Der gehört dir ja nicht." - Ach was?! Tatsächlich!!??
Seit wann assoziiert Mensch eigentlich Eifersucht mit Besitzanspruch? Als hätte diese Empfindung nur ihre Berechtigung, um daran alle negativen emotionalen Auswüchse festzukleben. Boshaftigkeit, Missgunst, Eifersucht. Klingt einfach, klingt gut.
Dass Eifersucht ein Ausdruck von Zuneigung ist, wenn auch zurückgewiesener Zuneigung, doch Zuneigung als positiv zu bewertendes Gefühl allemal, scheint als Option nicht vorhanden zu sein.
Ich für meinen Teil zelebriere meine Eifersucht. Ich pflege sie, stutze sie zuweilen, aber lasse sie im Licht des passiv-aggressiven Optimismus stehen, anstatt sie im Dunkel der Negativassoziationen verrotten zu lassen. Dann wird die Eifersucht nämlich verbittert, wie ein extrem introvertierter Mensch. Der fühlt sich auch scheiße weil ihn keiner leiden kann, nur weil er nicht offensichtlich unter der mürrischen Maske massenhaft rosa Zuckerwattegedanken hegt. Tut er aber!!!!
Wertschätzung, Zuneigung, Eifersucht. Klingt unharmonisch? Ist es denn negativ zu bewerten, gemocht werden zu wollen?
Negativ oder positiv assoziiert - das mag umstritten sein, doch sicher ist: Scheiße fühlt es sich immer an. Und, im Übermaß konsumiert, verleitet Eifersucht dazu, ungeheuer dümmliche Verzweiflungsakte zu begehen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Nein, sie ist der verdammte Hulk. Sie ist klein und zart und sobald man ihr zu nahe kommt und die strapaziert, wächst sie zu großem grünen Neid und schlägt um sich. Und ist zu allem Übel auch noch unverwundbar.
Dann kann der Tanz beginnen: Taumelnde Frustphasen, gleitende Wut und torkelnde Charismaschritte fügen sich zu einer Höllenpartie und gestalten erst den Abend, dann den müden Sonntag und dann sogar den verdammt miesen Montag. Glückwunsch, dann hat sie dich - die stolzsaugende Ohgottwiesollichdaiwiederrauskommendakannmanjanurverlieren-Venus-Fliegenfalle.
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