Sonntag, 5. Mai 2013

Manuelle Macken



In der WG liegen die Löffel vorn. Ich habe seit meiner Geburt in einem Haushalt gelebt in der die Messer ganz links in der Besteckschublade liegen. Beim Abtrocknen geriet ich geradezu in einen Schockzustand als ich feststellen musste, dass dieser gewohnte Takt beim Verrichten ener Haushaltspflicht, die ich in meiner Jugend aber- und abermals verrichten musste, jetzt gestört wird. Im Haushalt meines Exfreundes wusch ich oft auf und behielt es mir vor die Besteckreihenfolge beliebig nach meinen Vorstellungen und meiner Ordnung zu verändern. Ist sowas denn gut? Es ist irgendwie Teil der Alltagsbewältigung, Arbeiten im eigenen Rhytmus zu verrichten, in selbst festgelegter Reihenfolge. Scheiße wird es erst, wenn sich solche Strategien in den eigenen Charakter fressen und festbeißen. Es ist nunmal einfach, das Schema anzuwenden – beim Besteck und in der Interaktion. Dem Besteck ist es ziemlich egal, es liegt ja nur herum. Doch das mehr oder weniger sozialisierte Gegenüber neigt in manchen, ach was, in vielen Fällen dazu, unsere Strategie abzulehnen, ja sogar zu widerlegen. Ich lege die Gabeln immer in die Mitte und lehne Vertrauen grundlegend immer erstmal ab. Seit ich mal darauf hingewiesen wurde, mache ich meine Ringe vorm Schlafengehen ab. Den ersten Zug einer Zigarette rauche ich nur auf Backe. Kein Mensch kann mir erzählen er kann keine eigenen täglichen Marotten beobachten. Ist unsere Reaktionsverhalten, und verdammt, unsere Wahrnehmung auch zur Alltagsmacke verkommen – und wenn ja, sind solche emotionalen Neurosen Bequemlichkeit oder selbstaufgestelltes unantastbares Gesetz? „Der/ die ist eben so.“ – ich höre es und möchte dem, der diese Wörter ausspuckt direkt ins Gesicht kotzen. Seltenst ist Verhalten unentschuldbar, denn meistens ist es subjektiv und absolut kontrolliert. Ja, natürlich liebe Menschen – ich nehme mich da nicht raus, ich erkläre mich oft genug damit, dass ich eben bin wie ich bin. Im Gegenwind der Verurteilung dessen könnte und würde ich mich liebend gern auf mein Gesicht übergebeben - aber so einfach ist das mit der Selbstkritik dann doch nicht. Auf irgendeine Weise handelt man wie man handelt in der Illusion oder mit dem Willen, das Richtige zu tun. Machen wir nicht – ist klar. Jedermanns egoistische Subjektivität betreffend ist nichts richtig, nichts falsch. Man kann nur sensibel werden. Sich, radikal ausgedrückt, verraten und alles hinnehmen oder den Anderen mit emotionalen Schüssen vor den Bug vorantreiben. Die Balance des Gebens und Nehmens, Anerkennen neurotischer Ungerechtigkeit oder Unfähigkeit und alle anderen Facetten eines Kompromisses – himmelherrgott, woher weiß man zwischen Interessenkonflikt und Selbstschutzkompromiss was man eigentlich selbst noch will?

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