In der WG liegen die Löffel vorn. Ich habe seit meiner
Geburt in einem Haushalt gelebt in der die Messer ganz links in der
Besteckschublade liegen. Beim Abtrocknen geriet ich geradezu in einen
Schockzustand als ich feststellen musste, dass dieser gewohnte Takt beim
Verrichten ener Haushaltspflicht, die ich in meiner Jugend aber- und abermals
verrichten musste, jetzt gestört wird. Im Haushalt meines Exfreundes wusch ich
oft auf und behielt es mir vor die Besteckreihenfolge beliebig nach meinen
Vorstellungen und meiner Ordnung zu verändern. Ist sowas denn gut? Es ist
irgendwie Teil der Alltagsbewältigung, Arbeiten im eigenen Rhytmus zu
verrichten, in selbst festgelegter Reihenfolge. Scheiße wird es erst, wenn sich
solche Strategien in den eigenen Charakter fressen und festbeißen. Es ist
nunmal einfach, das Schema anzuwenden – beim Besteck und in der Interaktion.
Dem Besteck ist es ziemlich egal, es liegt ja nur herum. Doch das mehr oder
weniger sozialisierte Gegenüber neigt in manchen, ach was, in vielen Fällen
dazu, unsere Strategie abzulehnen, ja sogar zu widerlegen. Ich lege die Gabeln
immer in die Mitte und lehne Vertrauen grundlegend immer erstmal ab. Seit ich
mal darauf hingewiesen wurde, mache ich meine Ringe vorm Schlafengehen ab. Den
ersten Zug einer Zigarette rauche ich nur auf Backe. Kein Mensch kann mir
erzählen er kann keine eigenen täglichen Marotten beobachten. Ist unsere
Reaktionsverhalten, und verdammt, unsere Wahrnehmung auch zur Alltagsmacke
verkommen – und wenn ja, sind solche emotionalen Neurosen Bequemlichkeit oder
selbstaufgestelltes unantastbares Gesetz? „Der/ die ist eben so.“ – ich höre es
und möchte dem, der diese Wörter ausspuckt direkt ins Gesicht kotzen. Seltenst
ist Verhalten unentschuldbar, denn meistens ist es subjektiv und absolut
kontrolliert. Ja, natürlich liebe Menschen – ich nehme mich da nicht raus, ich
erkläre mich oft genug damit, dass ich eben bin wie ich bin. Im Gegenwind der
Verurteilung dessen könnte und würde ich mich liebend gern auf mein Gesicht
übergebeben - aber so einfach ist das mit der Selbstkritik dann doch nicht. Auf
irgendeine Weise handelt man wie man handelt in der Illusion oder mit dem
Willen, das Richtige zu tun. Machen wir nicht – ist klar. Jedermanns
egoistische Subjektivität betreffend ist nichts richtig, nichts falsch. Man
kann nur sensibel werden. Sich, radikal ausgedrückt, verraten und alles
hinnehmen oder den Anderen mit emotionalen Schüssen vor den Bug vorantreiben. Die
Balance des Gebens und Nehmens, Anerkennen neurotischer Ungerechtigkeit oder
Unfähigkeit und alle anderen Facetten eines Kompromisses – himmelherrgott,
woher weiß man zwischen Interessenkonflikt und Selbstschutzkompromiss was man
eigentlich selbst noch will?
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