Donnerstag, 10. März 2011

Der Kosmos in einem Zwinkern

Um es vorweg gleich zu klären: Ich glaube nicht an Schicksal. Ich bin nicht der Meinung, dass Dinge vorbestimmt sind, dass alles aus einem Grund geschieht oder die Texte für unsere Gespräche schon geschrieben, die Wege für unsere Begegnungen bereits gepflastert oder unsere Entscheidungen schon gewählt wurden von etwas, das wir weder sehen noch hören, uns doch die ganze Zeit umgibt. 
In den letzten Wochen ringe ich trotz meiner schlechten Meinung über Gott und die Welt mit mir selbst darum, an etwas wie kosmische Gerechtigkeit oder Karma zu glauben. Für mich war der Glaube an etwas immer nur die Schuldabweisung eines Menschen oder eine hübschere Maske der Auswegs- und Ratlosigkeit.
Bekommen wir für schlimme und gute Taten, für Egoismus und Selbstlosigkeit bishin zum Selbsthass eine kosmische Quittung? Und als ob die Ungewissheit hierüber nicht ausreiche – falls ja, erfahren wir dann jemals, wann sie kommt und in welchem Maße? Und die Spiegelansicht dessen, dass wir Trost finden für zugefügten Schmerz – ist das nicht alles „Ja und Amen“-Philosophie?
Beim Vorübergehen durch den Garten den wir Erfahrungsschatz nennen zeigt sich doch immer wieder das wir dasselbe Spiel mit verschiedenen Menschen ausprobieren. Vielleicht aus Müdigkeit darüber, neue Regeln aufzustellen oder aus Angst (noch) kläglich(er) zu versagen. Und man dürfte meinen, dass die Erfolgschancen mit dem Erfahrungsschatz proportional ansteigen. Doch – haha – nein, falsch gedacht. Immer wieder bekommen wir Zeichen, weichen ab vom Plan und landen in derselben Sackgasse. Ist es denn das Schicksal, dass wir Namen, Zahlen und sogar Autokennzeichen der immer selben Leute überall zu sehen scheinen, dass alle Gespräche, so absurd die Themen auch seien (oder gerade deswegen?) immer auf den selben Nenner kommen? Und so verstrickt man sich in einem Kreis aus Wut und Schwärmerei, und jedes Vorankommen und jedes Zurückschrecken erinnert uns an vorangegangene Erlebnisse, mit der einen Frage auf den Lippen: Wird es diesmal besser?
Tja, so gern ich mir immer wieder sage dass liegt in den nach Halt und Hilfe flehenden Händen jedes Einzelnen - ist es möglicherweise die Vergangenheit, die unser Handeln lenkt? Nicht die Angst vor der Zukunft oder Unwissenheit über die Gegenwart (oder umgedreht....) sondern die Fehler und Nichtfehler vergangener Lieben? Jeder Single, ob auf der „großen Suche“, ob zwischenmenschlich total abgeneigt, ob hobby-, möchtegern- oder vollblutpromiskuitiv wird doch immer wieder von Neuem an Altes erinnert. Was vielleicht in einer Beziehung zum größten Problem werden kann ist jedoch als Alleinstehender doppelte Qual, denn man stellt sich unwillentlich die Frage: Werd ich meinen Seelenfrieden kriegen oder habe ich die große Chance schon verspielt?

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