Jeder Mensch, mit dem wir verkehren, erwartet gewisse Dinge. Aufmerksamkeit, Loyalität, Befürwortung, Verständnis und natürlich Ehrlichkeit. Ehrlichkeit ist leider wie eine Zwiebel, vielschichtig und oftmals bitter. Welch lasche Metapher für ein solch bedeutsames Wort. Doch die zugesprochene Relevanz möchte ich dem Wort hiermit entziehen. Das mit der Ehrlichkeit ist tatsächlich personell abhängig. Menschen erhalten immer meine ehrliche Meinung und Wertung, Menschen die sich Sympathie verdienen erhalten dazu noch den "ich spreche über mich"-Ehrlichkeits-Bonus und jene Wenigen die ich wirklich richtig gern habe bzw. einfach zu lang kenne um etwas verbergen zu können, dürfen sich die "Nichts verschweigen"-Klausel zunutze machen. Ja das Thema "anlügen oder nicht erwähnen" ist weit umstritten in allen Radianten moralisch flexibler und moralisch konservativer Möchtegernehrlicher.
Angelogen werden ist scheiße, klar. Aber sich Stress vom ehrlichkeitsverschwollenen Hals zu halten ist doch durchaus vertretbar. Objektivität ist das Schlüsselwort jeder emotional-menschlichen Konstellation. was so schwer für viele erscheint, basiert auf einem simplen Prinzip: Wenn wir meins und deins teilen wollen, will ich zuvor erstmal wissen was ich mir da aneigne. Die Subjektivität bezüglich eines geliebten Menschen aufzugeben ist wie das Öffnen des ersten Hosenknopfes: Ich bin gespannt was mich erwartet aber muss damit rechnen, dass es mir Licht des Alltags nicht gefallen könnte.
Eine weitere solcher Problemzonen sind Ehrlichkeit in Verbindung mit Emotionen und Ehrlichkeit in Verbindung mit Körperlichkeit. Lügen, wenn es um Gefühle geht , sei es das, was wir Liebe nennen, Freundschaft, Hass oder eben die Erkenntis über Gleichgültigkeit, ist verdammt gefährlich und nicht empfehlenswert. Bezüglich dieses Themas ist es von ausschlaggebender Bedeutung, etwas zu verschweigen - also lieber reden und sagen, was zu sagen ist.
Was Sex angeht, sind die Regeln simpel. Handelt es sich um das bloße Tun und man ist an dem Punkt an dem Schweigen die Dinge entkompliziert, sollte man eben einfach still sein. Um die Sache wird eh ein zu großer Hype in sachen "Relevanz für dies und das" entwickelt.
Notorische Lügner sind in gleichem Maß zu hassen und zu bemitleiden wie jene Menschen, die meinen, jedem Anderen sofort ihre Meinung kund tun und es als "ich sage immer was ich denke" verkaufen zu müssen. Alles sagen was man denkt ist nicht ehrlich, es ist penetrant. Soll ich jedem Menschen den ich treffe sagen was ich in diesem Moment denke? Dann hätte in verschiedenen Kreisen einen Ruf als promiskuitive Heiratswütige, arrogante Zicke oder poltisch inkorrekte Nörglerin. Denn der erste Gedanke ist nicht wirklich immer hilfreich, denn, um das Phrasenschwein zu füllen: Der erste Schein trügt immer.
Ferdinand wird sich freuen..Und anne auch, denn du sprichst mir aus der Seele!
AntwortenLöschenWie du es schon zum wiederholten Male geschafft hast ein Thema aufzugreifen, dass mir derzeit auch durch den Kopf schwirrt! Wahnsinnig gut! :)
AntwortenLöschenWas auch immer da los ist, es ist relevant genug, dir einen weiteren, verdammt guten Sprachkomplex aus dem Hirn zu schälen!!! Morgen telefonieren, um zu erfahren?
AntwortenLöschenWie immer "immer wieder" alle Daumen hoch und schleimige Respektspur deines Weges hinterdrein... ich verneige mich!
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