Donnerstag, 18. November 2010

Anti und auch sowieso

Wenn man sich überfrisst, hat man zwar das erfüllte Maß erreicht, das zur Sättigung genügen sollte, aber dieses angenehme Gefühl satt zu sein, tritt niemals ein. Mit Reizen ist es dasselbe. Eine Reizüberflutung erfüllt das gewünschte oder viel besser notwendige Maß an input, doch irgendwann erreicht man absolute Taubheit, eine Art Resistenz. Eine gewisse emotionale, Informations- und sogar Krankheitsresistenz sind im gesunden Bereich, doch ab irgendeinem Punkt ist der Tunnel durch den alle Reize fließen einfach verstopft. Leider interessiert das keinen, sodass von hinten gedrückt wird obwohl vorne schon kein Platz mehr ist. Das ist antiproduktiv, zumindest aus der Perspektive eines offiziell unproduktiven Menschen. Doch diese Antihaltung zur Antigesinnung führen erst die alltäglich Antis. Nach einiger Zeit tritt dann durch das Quetschen und Schieben, dieser Zustand des „sich überfressen habens“, ein. Wir überfressen uns an den ganzen Antis; erst Antiglücklich, dann Antidepressiva, erst Antifreunde, dann Antifeinde, erst  Antifrieden, erst Antimeinung, erst Antigesellschaft, dann Antisystem. Und es ist schon unglaublich wie es sein kann, dass so viele in die gleiche Richtung rennen und doch alle durcheinander, und der, der von außen draufschaut und sagt „alles ist gut“ auch noch Gehör findet.
Das fängt doch schon im Alltag an; „Fakten“ sind: Feste Arbeit, ausreichendes Einkommen, Mama und Papa, Freundeskreis, Verständnis, Montag, Arbeit, Freitag, Wochenende. Alles ok. Alle Reize fließen von A nach B, machen Platz für Neue. Richtig? Falsch! Fakten sind: Genervt von der Arbeit, ausreichendes Einkommen für die Bewegung innerhalb der beschissenen Stadtgrenzen, ok Mama und Papa, Bekanntenkreis, Scheinverständnis – Fehlverständnis – Missverständnis - Unverständnis bishin zur Ignoranz, Montag, Tabletten, Freitag, Tiefschlaf, Taubheit, Tabletten, Desintresse, Antistimmung, Kritik, Streit, Hass.
Schon ist der Tunnel verstopft. Nicht nur das verursacht eine genervte und gereizte Grundstimmung, nicht nur das führt zu Rage. Da wären ja noch das Fernsehen, die „wirklichen“ Freunde, die aber „ab jetzt wirklich da sein wollen“, diverse politische Themen  die in Rage und Rausch treiben und ständig wiederkehrende Erkältungen, Krämpfe, Schmerzen, Überfluss eben. Und nicht nur dass man zugepumpt und ausgenommen wird, nein, man ist sogar enttäuscht wenn die gestellten Erwartungen nicht erfüllt werden können.

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