Donnerstag, 4. November 2010

Verpennt in Berlin


Der freie Dienstag ist vorüber und somit das Wochenende in Berlin – ein Trip nicht nur durch eine große wunderschöne Stadt, sondern auch durch einen Abend, an dem ich mir wünschte, männlich und schwul zu sein.
Meine bessere Hälfte und ich beschlossen nach einem ereignislosen Abend, an dem sich das Vor- zum Verschlafen entwickelte, in einen Homo-Club zu gehen -  doch nicht zu einer Lesbenparty wie ich es bei ihr erwartet hätte. Wir verbrachten den Sonntagmorgen (Samstagnacht hatten wir verschlafen – diesmal wohlwissend und geplant)  in einem Club gefüllt mit ca. 200 schwulen Männern, von denen ich ungefähr 15% sofort mitgenommen hätte. So entwickelte sich dieser Abend nicht nur zu einer Art Schaufensterlauf sondern auch zum Abend der sexuellen Verwirrungen – denn sie hielten mich für ein Mitglied ihres Clubs, da meine Begleitung selbst aus der Entfernung zwischen der homophoben Menge Jugendlicher draußen vor der Tür und jedem geschminkten Besucher dieses Clubs eindeutig als Lesbe zu identifizieren ist. Obwohl ich keinen dieser Menschen kannte war der Abend herzlicher als jeder der vergangenen Nächte im Kreis guter Bekannter. Nach dem nicht sonderlich zahlungsintensivem Empfang aufgrund guter Beziehungen meiner Begleitung trat ich einer Nacht voller gutem Kleidungs-, Tanz- und Sprachstil entgegen und noch erschreckender und auch entzückender war die Erkenntnis, dass diese scheinbare Fassade nur das Abbild der Realität ist; noch nie zuvor hatte ich an einem Abend durch fremde Menschen so viel Freundlichkeit erfahren, so viel Offenheit und Zuwendung.
Dieser gelungenen Erfahrung folgte ein Tag Sightseeing alá „Kurfürstendamm ist zu viel des Guten“ und wir schlenderten, noch benommen von den vergangenen Stunden, über einen Trödelmarkt irgendwo in Berlin, dicht gefolgt von einer Karaokeerfahrung der besonderen Art – ca. 1000 Menschen stehen und sitzen stillschweigend um ein 11jähriges Mädchen aus Frankreich, welches sich mit solchem Herzblut ein Lied aus der Brust singt, dass man fast hören konnte, wie sich rundherum die Härchen in Arm- und Nackenbereich aufstellten.
Das darauf folgende Elvisdouble, dessen Bauch und nicht etwa Stimme in mein Gehirn eingebrannt wurde, kitzelte dann doch wieder ein Lächeln aus den Kiefern und der Tag endete für mich 22 Uhr in kompletter Zufriedenheit. Einen Tag habe ich ja vollkommen ausgelassen – ich verbrachte meinen Anreisetag nicht nur damit, die Nacht zu verschlafen sondern auch mit dem Kennenlernen der „Neuen“ meiner besten Freundin. Tolles Mädchen, keine Frage. Aber wenn man Emotionalität speziell in Kombination mit Romantik und dem Schmatzen eines Dreieinhalbminutenkusses so verdammt satt hat wie ich, ist es natürlich nicht gerade ratsam seine Zeit mit zwei nymphomanischen, frisch verknallten Lesben zu verbringen. Ich vermute stark, dass die Halsschmerzen am Sonntag nicht einmal Folgen der verrauchten Nacht zuvor waren sondern das simple Resultat des hundertfachen Räusperns als Reaktion auf das erneute schlabbern und schmatzen, stumpfsinnig-romantische Getuschel oder den spontanen Beginn des Vorspiels – beim Frühstück, in meiner Anwesenheit.

….will be continued…..

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