„Freiheit Baby, ist sich niemals entschuldigen zu müssen!“, so sagte es schon Al Pacino in „The Devil´s Advocat“ (grandioser Film!). Strebt nicht jeder nach Freiheit, wenn er sich am noch viel zu frühen Morgen aus dem Bett schleift und sich zur Arbeit begibt? Wollen wir nicht alle ein Stück Freiheit wenn wir den Mund halten um einen Menschen nicht verletzen zu müssen? Ist das Gefühl beim Hineinsehen in geliebte, bekannte oder fesselnde Augen nicht die Sucht nach reiner, unverfälschter Freiheit?
Täglich im Leben setzt man uns Grenzen. Im Kindesalter hört man ständig nein, in der Hoffnung die scheinbare Konsequenz selbst erzöge uns zu gefestigten Charakteren mit gefestigten Gehältern. Im Jugendalter steht das große, leuchtende und geradezu verdächtig verleitende Nein auf allen Rauschmitteln, die der Samstagabend zu bieten hat. Und dann, später im Leben, in dem man scheinbar fest zu stehen scheint wandelt man unter der ständigen Beaufsichtigung dieses bekannten Neins durch dicken Schlamm, bleibt stecken und in den meisten Fällen versinkt man darin, erstickt an den ganzen Neins, den Lügen, der Zurückhaltung, dem Nichtleben.
In dem Leben, das wir selbst gestalten, selbst leben sollten, streicht man uns ganze Passagen Freiheit weg, wie Zeilen aus einem Drehbuch, man zensiert uns. Und das tut man geschickt; es wird uns nicht direkt gesagt, dies oder jenes sei verwerflich, unmoralisch oder einfach „falsch“, nein man erzieht uns so, dass der Zensurbalken in unseren Köpfen gezogen wird, von unseren eigenen Händen. Nicht nur projiziert auf andere sondern unser eigenes Handeln wird durch uns selbst ausgebremst. Wie könnte es einfacher sein?
Und so sind alle Chaträume, alle Cafés, Straßen, Gemeinschaften nur Laufbänder in der Fabrik der moralischen Vorstellungen, ein Schmierentheater für alles Schlechte dieser Welt. Wie sonst entstehen Dinge wie Stolz, Trotz und wie sie alle heißen? Im Grunde sind sie nur die einzig logische Konsequenz der eigentlichen Selbstlosigkeit. Wir schweigen, um nicht mit Worten zu verletzen. Wir tun, wir ficken und schlagen , um nicht mit Worten zu verletzen. Und man sollte sich fragen ob dies nun wirklich die korrekte Vorstellung von Moral ist.
Wir sprechen mit den Menschen die wir lieben, wir hören zu und kommentieren, wir geben Ratschläge, wir geben Hoffnung, wir heucheln Ehrlichkeit und servieren Lügen, offen und angreifbar und doch sind die Menschen blauäugig genug um alles zu schlucken was man ihnen vorsetzt. Natürlich, wie immer gibt es Ausnahmen. Doch was ist die Lösung der Gleichung Mensch x Ehrlich? Ehrlichkeit, das bedeutet Schuld. Schuld daran, Fassaden und Illusionen zu durchbrechen, Schuld daran, zu verletzen, Schuld daran, zu entzweien wo man das Kollektiv schätzt und zu verbinden was sich von Natur aus abstößt – man kommt nicht heraus aus der sich selbststrickenden Schlinge. Und wenn man dann die Wahrheit sagt, ohne einen Sack voller Schuld als Dankesprämie zu erhalten, ist man auf die lieben Blumen unserer Sprache angewiesen, durch die man sprechen muss. Die Ironie, den Sarkasmus, Gegenfragen, Euphemismen und das ganze ABC der Verschleierungen. Sind das dann auch Lügen? Ist Verschweigen denn Lügen? Sind unausgesprochene Lügen trotzdem Lügen? Das ist nicht zu beantworten, das ist wie die Frage danach ob ein Baum, der in einem Wald umfällt in dem es keiner hört, trotzdem Lärm macht.
Seien wir ml ehrlich, so richtig ehrlich: Sagen wir jemals das, was wir wirklich meinen?
Wir haben Angst es zu sagen, aus Scham, Reue oder schlechtem Gewissen, aber trauen uns nicht zu lügen, und die, die es schaffen noch aus ganzem Herzen zu lügen, können nicht mal ehrlich zu sich selbst sein. Und das wäre dann wohl die unterste Stufe, wenn man nicht mal im Dunkel des Zimmers oder im Flüstern des Alleinseins zu sich ehrlich sein kann, sich nicht entscheiden kann, nicht denken kann.
Und was ist dann, wenn wir uns aufraffen und die Wahrheit sagen, ohne Umschweife ohne Verschönerung – dann verschließt der Mensch Augen und Ohren davor, als wäre es eine grausame Szenerie, die er nicht wahrnehmen oder wahrhaben will.
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