Sonntag, 5. Dezember 2010

Grenzen sind Grauzonen

Gleichgültigkeit ist der Todesstoß für jede Verbindung. Sobald Glück und Frust des Gegenübers vom Selbstschutz verschluckt werden, ist kein Platz mehr für Interaktion, ohne Interesse am Anderen lohnt sich kein Gespräch.
Zuviel Interesse hingegen lässt unsere Mauern brechen, macht man sich zu viele Sorgen ums Gegenüber hat man es zu gern, und die zu empfangenden Nachrichten und Neuigkeiten können von uns nicht mehr objektiv bewertet werden. Ab welchem Punkt muss man den Strich ziehen, wo muss man das Auffangnetz spannen für den Fall eines emotional distanzierten Absprungs aus einer erneut aussichtslosen Lage in der man riskiert verletzt zu werden? Der individuelle Umgang mit solchen Situationen bestimmt das Vorankommen im Miteinander mit dem Umfeld und mit sich selbst. Dinge, Erfahrung, die Antworten auf einfachste Fragen, die uns vor einem halben Jahr noch komplett zurückgeworfen hätten und unsere Hoffnungen mit frustgeladenem TNT gesprengt hätten bewegen uns mittlerweile nur noch zu einem „Schade“ und lassen uns den Alltag unverändert fortführen. Andere Dinge, die uns vor längerer Zeit als angenehm und erstrebenswert erschienen fallen nun zur Last und lassen die eigenen Grenzen besser erkennen, eben jene Grenzen die wir ziehen lernen müssen um uns weder verwundbar noch ignorant werden lassen. Wir dürfen nicht zu viele Schritte nach vorn wagen, wenn etwas interessant scheint, man sollte die Nase nicht zu tief  in scheinbar leere Gefäße halten, denn man läuft Gefahr, dass zu sehen was wirklich darin steckt.  Dies ist außerdem ein wertvoller Grundsatz bei der Selbstanalyse.
Wie kriegt man die Kurve, wie schafft man es, das gesunde Maß an Zuneigung zu empfinden, die Art Zuneigung, die Eifersucht aus- und Mitgefühl einschließt?
Und anders herum: Wie schafft man es, dieses Maß zu vermitteln ohne dass das Gegenüber flüchtet oder zu nah kommt?
In der Mitte eines ignorant-selbstverliebten  Kollektivs ist es nicht einfach das Mittelmaß zwischen Stein und Wachs zu finden, zwischen Hure und Heiliger, zwischen Fisch und Fleisch.
In dem Prozess in dem man anerkannte Emotionen ablegen lernen will um den Zustand zufriedener Ausgeglichenheit zu erlangen stolpert man über das riesige gesellschaftliche Hindernis, den Schuss der die Ziele zerfetzt, den Schnitt der die Konsequenz unkenntlich macht – den Rest. Die Optimisten, die sich wie Pollen über die gesamte Menschheit streuen, tausende kleine Idioten in Windeln die mit Pfeil und Bogen herum zu fuchteln versuchen und damit nur Chaos und Unruhe stiften.
Was geht in diesen Menschen vor, woher kommt die Vorstellung einer verzerrten Realität einer Welt voller hoffnungslos friedlicher Emotionssüchtiger? Eine solch utopische Vorstellung erklärt sich nicht mal durch das Wort Selbstschutz sondern ist die deutlichste und direkteste Art der Ignoranz die in den  Köpfen zahlreicher unglücklicher, hoffnungsvoller Menschen ausgebrütet wird.
Man scheint ein Areal im Garten der hormonellen Erzeugnisse vergessen zu haben: Die Grauzonen! An sieht nur noch schwarz und weiß, nein viel besser, es existieren nur noch diese Nichtfarben. Arm und reich, Nichts und Alles, Gebender und Nehmender, einsam und glücklich. Man lenkt uns seit ewigen Zeiten in die Wege, die das gleiche Ziel haben und während wir dagegen ankämpfen vergiftet man uns mit der Idee diese Ziele machten uns glücklich, seien erstrebenswert und ausnahms- und kompromisslos korrekt.

1 Kommentar:

  1. Versuch römisch zwei, deinen Blog endlich einmal zu kommentieren. Nachdem ich schon den letzten Text auf- und abgewägt und ihn, wie die ganze Sammlung hier, für mehr als nur gut befunden habe, denke ich, dass es gut war, dass der Rechner, an welchem ich die Antwort schrieb, plötzlich das Spinnen begann, und mein Text weg war. Denn ich hätte diesen hier dann wohl nicht kommentiert, um dich nicht zuzuspammen, mit den Phrasen meiner Begeisterung, immer wieder, wenn endlich "der Neue" online ist. Diese Kolumne hier aber ist mit Abstand die Beste. Wunderbare Metaphern, wunderbares Thema, perfekte Sprache und Unwiderlegbarkeit in der Aussage (Zumindest vom Standpunkt meiner Ansichten aus gesehen).
    Es wird immer und immer besser um dich, was natürlich unweigerlich zur Folge hat, dass das Potential meines (Betonend: gönnenden) Neides so groß erscheinen lässt, dass ich erschrecke. Da fragt sich der Kommentator, weswegen die Verfasserin ihr Licht noch immer unter einen Scheffel stellt, der längst von dem ihren beleuchtet wird. Und zwar von sehr weit oben.
    Immer wieder ein Vergnügen, deine Sachen zu lesen. Und immer wieder der Gedanke, an ein gemeinsames Buch!!!

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