Und nun schon der gefühlt hundertste Abend, der mich in die frühen Morgenstunden peitscht. Die vergangenen Tage endeten nie vor vier Uhr des Folgetages und so langsam hat sich meine innere Uhr au diese neue, meine Winterzeit, eingestellt. Auffällig ist hieran, dass ich dies nur wochenlang beibehalten kann, wenn die Abende mir verschiedene Gesellschaft oder Umgebung bieten. Meine Müdigkeit lässt es einfach nicht zu, sich zwei Abende von denselben Leuten, Orten und sogar Gesprächen fern zu halten. Das zeitliche Durchhaltevermögen stützt sich also auf verschiedene Reize, sei es durch Mensch, Musik oder Lokalität.
Wenn es die Entscheidungen sind, die den Weg des Lebens vom Schnee der Monotonie frei schieben, sind empfangene Reize die Auslöser für diese. Jene gibt es natürlich in verschiedensten Ausführungen; da wären da natürlich die bekannten körperliche Reize, doch viel umfassender sind emotionale Reize, welche nicht nur Hass und Liebe einschließen, sondern alle Arten positiver und negativer Empfindungen. Sei es durch das Vermitteln von Ruhe und Sorglosigkeit, einfach durch ein gutes Gespräch oder schlicht und einfach durch die Toleranz zeitweiliger geistiger Leere.
Wir brauchen Reize um etwas oder jemanden interessant zu finden – eine Besonderheit, eine Auffälligkeit. Doch manchmal ist es sogar von großem Nutzen, wenn gewisse Dinge sich gar nicht bemerkbar machen und jeder Reiz ausbleibt. Dann wird uns Zeit gelassen, andere Empfindungen oder etwas dass sich so anfühlt, zu analysieren und zu vergessen. Diese Nichtreize dienen indem Fall nur als Resonanzkörper emotionaler Aufarbeitung.
In suboptimalen Fällen empfangen wir Reize, die nicht einmal vorhanden sind. Die Frage die sich dabei stellt ist nur, wenn sie nicht vorhanden sind, woher kommen die dann? Und wenn sie nicht vorhanden sind, wie kann man sie dann empfinden und empfangen? Sind sie Spiegelbilder vergangener Reize oder sind sie selbst erschaffene Demotivatoren, mit denen uns das Universum, oder wer auch immer den Fluss der Reize kontrolliert, irgend etwas sagen will?
Was es auch sei, es kann dazu führen dass man gar nichts mehr wahrnimmt. In einem alten Kinderbuch wurden Reize durch eine Krabbe erklärt, die einen Menschen in den Fuß zwickt. Darauf folgte die Erklärung des Nervensystems und allem, was dazu gehört. Doch was ist nun, wenn der Krebs so oft an der selben Stelle zwickt, dass die Nervenbahnen verstopfen oder gar einen Bummelstreik veranstalten? Merken wir den Schmerz erst wenn die Chance, das lästige Vieh beiseite zu treten, schon lachend an uns vorbei gezogen ist oder bleibt der Reiztunnel undurchdringbar, bis der Eine, der Herausragende versucht hindurch zu kommen und alle alten Empfindungskadaver beiseite kehrt? Oder stumpft man durch die ständigen Pseudoreize immer mehr ab, bis man letztendlich unempfänglich für die solchen wird?
Doch wenn diese Sensibilität, dieses Gespür für die entscheidungsschwangeren Empfindungen verlorengeht, wie treffen wir dann Entscheidungen?
Ebenso unstetig ist das Versenden verschiedener Reize. Manchmal lenken wir das Schiff mit fehlinterpretierten Zeichen direkt auf den Wasserfall zu. Oder wir haben das Pech,das gezielt gesetzte Reize an der aufmerksamkeitsverschlingenden Schale eines Reiztunnelverstopfungssyndrompatienten abprallen. In vielen Fällen merken wir das aber doch nicht, und schieben die ganze Masse nur näher an die Grenzen der Ignoranz.
Und so wie wir zu viel reizen und zu wenig Reiz bemerken schließt sich der Kreis. Natürlich sind da noch die Fälle, die richtig interpretieren und versenden. Diese Menschen werden und reagieren jedoch dann öfter gereizt als die Logik es zulassen müsste.
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